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Vintage und rustikal

Altes Porzellan auf Leinen, eine Tafel im Gewölbe, Kerzen in Emailleleuchtern. Vintage lebt von Dingen, die schon jemandem gehört haben - und das ist der Unterschied zu jedem anderen Stil: Man kann ihn nicht einfach kaufen, man muss ihn zusammentragen oder einen Ort finden, der ihn schon hat.

Gedeckte Tafel in einem alten Gewölbe mit altem Porzellan, Spitzendecken und Kerzen.

Kurz zusammengefasst

  • Vintage zitiert eine Epoche, Boho zitiert keine - daher andere Materialien
  • Der Stil braucht echte Gegenstände mit Patina, nicht Nachbauten
  • In Österreich kommt er oft vom Ort: Höfe, Presshäuser, Gewölbe, Schlösser
  • Familienbestand ist die beste Quelle, Flohmarkt die zweitbeste, Verleih die teuerste
  • Zu viele verschiedene Epochen nebeneinander kippen den Stil in Trödel
  • Scheunen liefern den Stil, aber selten Strom, Wärme und Toiletten

Nicht dasselbe wie Boho

Die beiden Stile stehen in denselben Bildersammlungen und werden ständig vermischt. Sie funktionieren aber verschieden, und wer den Unterschied kennt, kauft weniger falsch ein.

Vintage und rustikalBoho
Herkunftzitiert eine Epoche - Zwanziger, Fünfziger, Landhauszitiert keine Epoche, sondern eine Haltung
MaterialPorzellan, Silber, Spitze, altes Holz, EmailleRattan, Leinen, Makramee, Ton
Farbengedecktes Grün, Altrosa, Cremeweiß, Gold- oder SilberakzentSand, Terrakotta, staubiges Rosé
BlumenRosen, Schleierkraut, Wiesenblumen in VasenTrockenblumen und Pampasgras, locker
Was es brauchtechte Gegenstände mit PatinaFläche und einen Außenbereich

Der praktische Kern steht in der letzten Zeile. Boho braucht Fläche - eine Wiese, einen Hof, einen Außenbereich, den man bespielt. Vintage braucht Gegenstände, und zwar echte. Ein neuer Sessel im Landhausstil ist kein Vintage-Sessel, und das sieht man auf Fotos sofort.

In Österreich kommt der Stil vom Ort

Hier hat dieses Land einen Vorteil, den man selten so benennt: Der Bestand an alten Gebäuden ist dicht genug, dass man den Stil nicht dekorieren muss - man kann ihn buchen. Im Verzeichnis dieser Seite stehen allein 34 Schlösser, dazu Presshäuser, Gewölbe und historische Gasthäuser.

Entscheidend ist dabei nicht das Alter des Hauses, sondern ob man es ihm ansieht. Ein Schloss mit frisch geweißten Wänden, neuem Parkett und Bankettstühlen trägt den Stil schlechter als eine ungeschminkte Scheune mit Holzbalken und abgetretenem Boden. Patina ist das Material dieses Stils, und die lässt sich nicht mieten.

Wenn ihr Locations besichtigt, achtet auf drei Dinge: sichtbares altes Holz, Steinböden oder Dielen statt Teppich, und Fenster, die Tageslicht in den Raum lassen. Wo das da ist, reicht sehr wenig Deko. Welche Häuser das mitbringen, steht bei den Hochzeitslocations.

Sammeln, leihen oder mieten

Für die Gegenstände gibt es drei Wege, und sie unterscheiden sich in Preis, Vorlauf und - das ist der Punkt bei diesem Stil - in dem, was sie mitbringen.

Aus der Familie. Der beste Weg, und der einzige, der eine Geschichte mitliefert. Großmutters Porzellan, die Emaillekannen aus dem Keller, alte Spitzendecken, gerahmte Familienfotos auf dem Empfangstisch. Das kostet nichts außer Fragen - und es ist das, was der Stil eigentlich meint.

Vom Flohmarkt. Günstig, aber ein Projekt: Für hundert Gedecke braucht ihr Monate und einen Ort zum Lagern. Wer diesen Weg geht, beginnt ein Jahr vorher und kauft konsequent in einer Farbfamilie, sonst entsteht ein Sammelsurium.

Aus dem Verleih. Es gibt Anbieter, die Vintage- und Boho-Mobiliar samt Geschirr im Set vermieten, inklusive Lieferung und Abholung. Das ist der bequemste Weg und der teuerste - und er nimmt dem Stil genau das, was ihn von einem gekauften Look unterscheidet.

Fragt früh in der Familie

Der Satz „habt ihr noch altes Geschirr?“ bringt in österreichischen Haushalten erstaunlich viel zutage - und Menschen freuen sich, wenn ihre Dinge einen Auftritt bekommen. Fragt ein Jahr vorher, dann bleibt Zeit, Lücken vom Flohmarkt zu füllen.

Wo Vintage in Trödel kippt

Dieser Stil hat eine schmale Grenze, und sie verläuft nicht zwischen alt und neu, sondern zwischen zusammengehörig und zusammengewürfelt. Drei Regeln halten ihn auf der richtigen Seite.

  • Eine Epoche, nicht drei. Zwanzigerjahre-Gläser neben Siebzigerjahre-Blumenmustern neben Bauernkeramik ergeben keinen Stil, sondern einen Dachboden. Legt euch auf eine Richtung fest.
  • Ein Farbraum. Wenn die Gegenstände verschieden sind, muss die Farbe zusammenhalten. Gedecktes Grün, Altrosa und Creme vertragen sehr viel Unterschied im Material.
  • Sauber und ganz. Patina ist nicht dasselbe wie beschädigt. Angeschlagenes Porzellan und fleckige Decken wirken nicht charmant, sondern ungepflegt - besonders auf Nahaufnahmen.

Und ein vierter Punkt, der oft vergessen wird: Altes Geschirr ist selten spülmaschinenfest und nie einheitlich groß. Sprecht mit dem Catering ab, ob es damit arbeiten will - manche Küchen lehnen fremdes Geschirr ab, andere verrechnen den Mehraufwand.

Die Scheune als Sonderfall

Die Scheunenhochzeit ist die reinste Form dieses Stils und die aufwendigste - weil der Raum den Stil liefert und sonst fast nichts.

Was in einem Gasthaus selbstverständlich ist, fehlt in einer Scheune regelmäßig:

  • Strom. Eine Zuleitung für Licht, Musik und Küche ist nicht selbstverständlich. Klärt die Absicherung, bevor Technik anrückt.
  • Wärme. Ungedämmte Scheunen kühlen abends stark aus, auch im Sommer. Ab September gehört das eingeplant.
  • Sanitäranlagen. Für hundert Gäste braucht es mehr als ein Hof-WC - mobile Anlagen kosten und müssen bestellt werden.
  • Akustik. Hohe Holzräume hallen. Textilien, Teppiche und Stoffbahnen sind hier nicht nur Deko, sondern Schallschluckung.
  • Sperrstunde. Scheunen stehen oft in Wohnnähe, und Musik im Freien ist meist zeitlich begrenzt - siehe Hochzeits-DJ.

Das ist keine Warnung, sondern eine Liste. Wer sie abarbeitet, bekommt den Ort, den alle anderen nur nachbauen.

Häufige Fragen

Was ist der Unterschied zwischen Vintage und Boho?
Vintage zitiert eine Epoche und braucht dafür echte Gegenstände mit Patina - altes Porzellan, Koffer, Spitzendecken, Emaille. Boho zitiert keine Epoche, sondern eine Haltung, und braucht vor allem Fläche und einen Außenbereich. Die beiden lassen sich mischen, sehen aber aus verschiedenen Gründen gut aus.
Welche Location passt zu einer Vintage-Hochzeit?
Alles mit Geschichte, die man sieht: alte Höfe und Scheunen, Presshäuser, Gewölbe, historische Gasthäuser, Schlösser mit gelebter Patina. Entscheidend ist nicht das Alter des Gebäudes, sondern ob man es ihm ansieht - ein frisch saniertes Schloss mit weißen Wänden trägt den Stil schlechter als eine ungeschminkte Scheune.
Woher bekommt man Vintage-Deko?
Aus drei Quellen: aus der eigenen Familie, vom Flohmarkt und aus dem Verleih. Der Familienweg ist der günstigste und der einzige, der eine Geschichte mitbringt - Großmutters Porzellan auf der Tafel ist genau das, was der Stil meint. Verleiher gibt es auch in Österreich, sie vermieten Mobiliar und Geschirr im Set.
Ist eine Vintage-Hochzeit günstig?
Sie kann es sein, wenn ihr sammelt statt mietet - dafür braucht es Vorlauf von Monaten und Platz zum Lagern. Wer alles im Verleih bezieht, zahlt für Mobiliar, Geschirr und Anlieferung ähnlich viel wie bei jedem anderen Stil. Der günstige Fall ist die Location, die schon alles mitbringt.
Was macht eine Scheunenhochzeit besonders?
Der Raum liefert den Stil, aber wenig anderes. Scheunen haben oft keine Heizung, keine ausreichende Elektrik, keine Sanitäranlagen für hundert Gäste und eine Akustik, in der man sich schwer unterhält. Wer eine bucht, klärt Strom, Wärme, Toiletten und Sperrstunde vor allem anderen.