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Das Outfit als Hochzeitsgast

Die Einladung nennt einen Dresscode, aber nicht, was er an diesem Ort bedeutet. Genau dort geht es schief - ein bodenlanges Kleid auf der Almhütte ist so unpassend wie Leinen im Palais, und beides erfüllt formal die Vorgabe.

Festlich gekleidete Hochzeitsgäste gehen über einen Kiesweg auf ein Steingebäude zu.

Kurz zusammengefasst

  • Erst der Ort, dann der Dresscode, dann die Uhrzeit
  • Lange Roben gehören zum Abend, nicht zur Gartenfeier am Nachmittag
  • In der Kirche Schultern bedecken - ein Tuch löst es und wärmt
  • Blockabsatz statt Pfennigabsatz, sobald es aus dem Haus geht
  • Tracht ist in Österreich Festkleidung und passt fast überall
  • Was ihr am Tag braucht, passt in eine kleine Tasche

Der Ort entscheidet mehr als der Dresscode

Ein Dresscode nennt einen Formalitätsgrad, aber keine Umgebung. „Cocktail“ bedeutet im Wiener Palais etwas anderes als auf einer Alm auf 1.400 Metern, und wer nur auf das Wort schaut, kann alles richtig machen und trotzdem falsch angezogen sein.

Deshalb die Reihenfolge: Erst schaut ihr, wo gefeiert wird. Dann, welchen Dresscode das Paar nennt. Und zuletzt, wann es losgeht - je später der Beginn, desto festlicher darf es ausfallen. Eine Trauung um elf Uhr vormittags verträgt keine Abendrobe, auch wenn abends weitergefeiert wird.

OrtCharakterWas funktioniert
Palais, Schloss, StadtsaalFestlicher, oft mit DresscodeAnzug mit Krawatte; Cocktailkleid oder lange Robe am Abend
Weingut, BuschenschankGehoben, aber bodenständigAnzug ohne Krawatte, leichter Stoff; Midikleid, flacher Absatz
Almhütte, BerggasthofTracht liegt näher als AbendgarderobeTrachtenanzug oder Sakko mit Hemd; Dirndl, festes Schuhwerk für den Weg
Garten, Wiese, SeeLeicht, hell, wetterfestLeinen- oder Sommeranzug; Midikleid, Blockabsatz, Tuch für den Abend
Wirtshaus, Saal am LandSolide festlich, nichts AufgesetztesAnzug oder Hemd mit Sakko; Kleid oder Rock, unauffällig elegant

Wenn Zeremonie und Feier an verschiedenen Orten stattfinden, richtet euch nach dem ersten - dort entstehen die Fotos, und dorthin kommt ihr in Tageslicht. Für den Abend genügt meist eine Jacke mehr oder eine andere Kette.

Was die Jahreszeit vorgibt

Im Hochsommer ist der Stoff wichtiger als der Schnitt. Leinen, Baumwolle und dünne Wolle halten aus, was ein Polyestersakko nicht aushält - und bei einer Trauung im Freien steht ihr unter Umständen eine halbe Stunde in der Sonne. Männer dürfen das Sakko nach der Zeremonie ablegen, wenn es der Bräutigam tut; vorher nicht.

Im Frühjahr und Herbst ist die Temperaturspanne das Problem: Zwischen Trauung am Nachmittag und Agape nach Sonnenuntergang liegen leicht zehn Grad. Plant eine Schicht ein, die zum Outfit gehört und nicht wie eine Notlösung aussieht - ein Blazer, ein Tuch, eine Strickjacke in derselben Farbfamilie.

Im Winter stellt sich vor allem die Frage nach dem Weg. Wer über einen verschneiten Hof zur Kapelle geht, braucht Schuhe zum Wechseln - und einen Mantel, der über dem Kleid geschlossen werden kann, weil das Foto vor der Kirche entsteht und nicht drinnen.

In der Kirche

Für eine katholische Trauung wird erwartet, dass die Schultern bedeckt sind und der Ausschnitt nicht zu tief ausfällt. Das ist keine Hürde: Ein Tuch, ein Bolero oder ein leichter Blazer erledigt es, lässt sich danach abnehmen, und ihr braucht ihn ohnehin - Kirchen sind auch im August kühl.

Zwei weitere Kleinigkeiten, an die selten jemand denkt: Kopfbedeckungen nehmen Männer ab, und Sonnenbrillen kommen von der Stirn. Beides fällt auf den Fotos auf, die von hinten aufgenommen werden.

Die Schuhfrage

Sie ist die praktischste Entscheidung des ganzen Tages und wird am häufigsten falsch getroffen. Auf Wiese, Kies, Schotter und altem Kopfsteinpflaster sinkt ein dünner Absatz ein - und ihr steht länger, als ihr denkt: bei der Zeremonie, bei den Gruppenfotos, bei der Agape, bei der Gratulation.

Was funktioniert: Blockabsatz, Keilabsatz oder ein flacher, gut gearbeiteter Schuh. Wer auf Höhe nicht verzichten will, nimmt ein zweites Paar für den Abend mit und wechselt, sobald die Feier drinnen ist. Barfuß auf der Tanzfläche ist am Ende in Ordnung - barfuß bei den Fotos nicht.

Was in die Tasche gehört

Eine kleine Tasche reicht, und sie sollte tatsächlich klein sein: Ihr werdet sie den halben Tag tragen oder suchen. Hinein gehören:

  • Die Karte mit dem Geschenk - nicht im Auto, sondern bei euch
  • Ein Tuch oder eine leichte Jacke für Kirche und Abend
  • Pflaster für die Ferse, auch wenn die Schuhe eingelaufen sind
  • Etwas Bargeld, weil nicht jede Landgastwirtschaft Karten nimmt
  • Taschentücher - eher für andere als für euch

Was ihr euch sparen könnt, ist ein zweites Outfit „für später“. Außer bei einer Feier, die ausdrücklich mit Umziehen geplant ist, kommt niemand dazu, und die Tasche steht den ganzen Abend im Weg.

Woran es in der Praxis scheitert

  1. Zu spät entschieden. Wer am Vorabend feststellt, dass das Kleid nicht mehr passt oder der Anzug in der Reinigung ist, hat keine Wahl mehr. Probiert eine Woche vorher an - vollständig, mit Schuhen.
  2. Neu und ungetragen. Ein Schuh, den ihr zum ersten Mal tragt, wird an einem vierzehnstündigen Tag zum Feind. Dasselbe gilt für Hemden mit steifem Kragen.
  3. Zu viel Aufmerksamkeit. Auffällige Muster, sehr kurze Röcke, tiefe Ausschnitte: Es ist nicht euer Tag, und das ist kein moralischer Einwand, sondern ein praktischer - ihr steht auf jedem Foto.
  4. Der Wetterbericht wurde ignoriert. Bei einer Feier im Freien entscheidet er über Stoff, Schuhe und Schicht. Schaut ihn zwei Tage vorher an, nicht am Morgen.
  5. Nicht nachgefragt. Wenn ihr unsicher seid, was gemeint ist, fragt bei der Trauzeugin. Diese Frage ist nie unangenehm und wird fast immer erleichtert beantwortet, weil sie andere auch haben.

Häufige Fragen

Was zieht man als Hochzeitsgast an?
Richtet euch zuerst nach dem Ort, dann nach dem Dresscode. Für eine Almhütte ist ein bodenlanges Kleid genauso falsch wie Wanderschuhe im Palais. Wenn beides zusammenpasst, entscheidet die Uhrzeit: Je später die Feier beginnt, desto festlicher darf es sein.
Darf man als Gast ein langes Kleid tragen?
Bei einer Abendhochzeit ja, bei einer Feier am Nachmittag im Freien eher nicht. Ein bodenlanges Kleid signalisiert einen Formalitätsgrad, den eine Gartenfeier nicht hat - und praktisch wird der Saum auf Wiese und Kies zum Problem. Bei Black Tie ist die lange Robe dagegen ausdrücklich vorgesehen.
Was zieht man in der Kirche an?
Schultern bedeckt und keine tiefen Ausschnitte - das ist in katholischen Kirchen erwartet und mit einem Tuch oder einem leichten Bolero in Sekunden gelöst. Praktischer Nebeneffekt: Kirchen sind auch im Hochsommer kühl, das Tuch braucht ihr ohnehin.
Welche Schuhe trägt man zu einer Hochzeit im Freien?
Blockabsatz oder Keil statt Pfennigabsatz. Auf Wiese, Kies und altem Kopfsteinpflaster sinkt ein dünner Absatz ein, und ihr steht bei der Trauung und beim Fotografieren lange. Wer bei den Schuhen falsch entscheidet, verbringt den halben Abend barfuß.
Darf man als Gast Tracht tragen, ohne dass es Dresscode ist?
In Österreich ja - Tracht gilt als Festkleidung und fällt bei keiner Hochzeit unangenehm auf. Achtet nur darauf, dass sie festlich genug ausfällt: ein Dirndl in Knie- oder Knöchellänge, kein kurzes Modell, und bei Männern Trachtenanzug oder zumindest Trachtenhemd mit Sakko.