Hochzeitslocations im Burgenland
Flaches Land, viel Himmel, Wein bis zum Horizont. Das Burgenland ist das einfachste Bundesland für eine Feier unter freiem Himmel - lange Sonnentage, kurze Wege, und eine Kulisse, die ohne Zutun dasteht. Bei der Gebühr geht es hier allerdings anders zu als überall sonst.
Kurz zusammengefasst
- Die Gebühr für die Trauung außer Haus legt das Land fest, nicht die Gemeinde
- Purbach weist sie zweistufig aus: 200 Euro werktags, 300 Euro abends und am Wochenende
- Als Amtsraum gilt nur das Dienstzimmer - der Sitzungssaal nebenan kostet schon
- Eisenstadt führt zwölf Trauungsorte, den Leopoldinentempel nur von Mai bis September
- Das Standesamt reserviert den Trauungsort nicht mit, das müsst ihr selbst tun
- Schloss Halbturn veröffentlicht seine Raummieten: 1.250 bis 3.500 Euro je Saal
- Im Seewinkel ist Schatten ein Planungsposten, nicht ein Detail
Die 300 Euro, die das Land festgelegt hat
In der Steiermark verlangt Kapfenstein 150 Euro und Vasoldsberg nichts. In Niederösterreich nennt St. Pölten 200 bis 280 Euro und die Nachbargemeinde gar keinen Betrag. In Tirol veröffentlicht überhaupt niemand eine Zahl. Das Burgenland macht es als einziges anders: Hier steht der Satz für die Trauung außerhalb der Amtsräume in einer Verordnung des Landes - der Landes-Kommissionsgebührenverordnung, zuletzt geändert durch Verordnung der Burgenländischen Landesregierung vom 26. April 2016.
Die Stadtgemeinde Purbach am Neusiedler See rechnet das am klarsten vor. Sie unterscheidet zwei Stufen:
- 200 Euro werktags während der Amtsstunden
- 300 Euro werktags außerhalb der Amtsstunden sowie an Samstagen, Sonntagen und Feiertagen
Dazu kommen die Beträge, die in ganz Österreich gleich sind: 74 Euro für die Ermittlung der Ehefähigkeit, bei ausländischen Schriften 119 Euro zusätzlich, und die Bundesverwaltungsabgabe von 54,50 Euro für eine Trauung außerhalb des Amtsraums. Eine Feier am Samstag auf einem burgenländischen Weingut kostet an Ämterseite damit rund 430 Euro, bevor die Location überhaupt eine Rechnung gestellt hat. Wie sich die bundesweiten Teile zusammensetzen, steht bei den Kosten des Standesamts.
Der Sprung war deutlich. Vor der Verordnung von 2016 lag die Kommissionsgebühr bei 60 Euro; die Burgenländische Volkszeitung berichtete damals über den Ärger der Brautpaare über die Verfünffachung. Zugleich merkte sie an, dass nicht alle Gemeinden den Satz gleich konsequent verrechnen - fragt also nach, statt zu rechnen.
Wo der Amtsraum aufhört
Das ist der Punkt, an dem sich das Burgenland von allen anderen unterscheidet, und er kostet Geld. Als Amtsraum gilt nach dem zugehörigen Erlass ausschließlich das Dienstzimmer der Standesbeamtin oder des Standesbeamten. Jeder andere Raum ist rechtlich „außerhalb der Amtsräume“ - auch der Sitzungssaal des Gemeindeamts, auch wenn er direkt neben dem Standesamt liegt und niemand das Gebäude verlässt.
Fragt beim Standesamt nicht „dürfen wir im Gemeindeamt heiraten“, sondern „in welchem Raum genau, und gilt der als Amtsraum“. Zwischen zwei Türen desselben Gangs kann der Unterschied mehrere hundert Euro betragen. Wer den kleinen Amtsraum nimmt, zahlt 5,45 Euro Verwaltungsabgabe statt 54,50 - und die Kommissionsgebühr gar nicht.
Für die meisten Paare ist das kein Grund, den Ort zu wechseln - wer auf einem Weingut feiert, will dort auch heiraten. Es ist aber ein Grund, die Zahl vorher zu kennen, statt sie am Ende auf der Vorschreibung zu finden.
Zwölf Trauungsorte in einer Stadt
Eisenstadt ist die kleinste Landeshauptstadt Österreichs und führt trotzdem eine der längsten Trauungsortlisten des Landes. Der Standesamtsverband nennt zwölf: Rathaus, Schloss Esterházy, Orangerie, Leopoldinentempel, Pulverturm und Pongratz-Haus, Turm am Schlosspark, Kultur Kongress Zentrum, Leinnerhaus, Die Alm, E_Cube, Winzerschlössl Kaiser und den Weinberg Hoberi.
Zwei Details daraus zählen für die Planung. Erstens ist der Leopoldinentempel nur von Mai bis September zu haben - er ist der einzige Ort der Liste mit Saisonbeschränkung, und wer im April oder Oktober heiraten will, streicht ihn. Zweitens liegen die Trauungszeiten montags bis samstags zwischen 10 und 14.30 Uhr. Eine Trauung am späten Nachmittag, wie sie viele Paare vor dem Abendessen einplanen, ist damit in Eisenstadt keine Option.
Und der Satz, den man auf keiner anderen Amtsseite so klar findet: Bei Hochzeiten außerhalb des Rathauses nimmt der Standesamtsverband keine Terminreservierung für den Trauungsort vor. Amt und Ort sind zwei getrennte Buchungen, und wer nur eine davon hat, hat noch keinen Termin.
Nord, Mitte, Süd - drei Burgenländer
Das Burgenland ist lang und schmal - von Neusiedl im Norden nach Jennersdorf im Süden fährt man länger als von Neusiedl nach Wien. Für die Ortswahl heißt das: Die Region entscheidet, wie eure Gäste anreisen.
Das Nordburgenland um den Neusiedler See ist die Wochenendregion Wiens - eine Autostunde von der Stadt, mit Bahnanschluss und der größten Dichte an Häusern. Rust, Purbach, Donnerskirchen und Weiden liegen alle am selben Seeufer, mit Schilfgürtel, flachem Wasser und viel Wind. Der Seewinkel östlich des Sees ist noch flacher, noch heißer und die Gegend der großen Betriebe: Halbturn, Frauenkirchen, Podersdorf.
Das Mittelburgenland um Deutschkreutz und Horitschon ist Blaufränkischland - kleinere Betriebe, deutlich weniger Tourismus, kürzere Vorlaufzeiten. Und das Südburgenland zwischen Oberwart und Jennersdorf ist die stillste Ecke Österreichs, mit Kellerstöckln, Streuobstwiesen und Burgen wie Schlaining. Wer dort feiert, muss die Übernachtung seiner Gäste ernst nehmen: Hotels gibt es wenige, und die Rückfahrt nach Wien dauert zweieinhalb Stunden.
Der Wind, den keine Website erwähnt
Am Neusiedler See steht der Wind fast immer. Das ist der Grund, warum dort Segler und Surfer aus halb Europa auftauchen, und es ist der Grund, warum Hochzeitsfotos vom Seeufer regelmäßig anders aussehen als geplant. Schleier, Haare, leichte Stoffe, Papierdekoration, Kerzen im Freien, Menükarten auf der Tafel - das alles muss beschwert oder befestigt sein.
Der zweite Punkt ist die Hitze. Der Seewinkel ist die wärmste Region Österreichs, und eine Trauung um die Mittagszeit im Juli findet in praktisch schattenlosem Gelände statt. Fragt beim Ortstermin nicht nach dem Schlechtwetterplan, sondern nach dem Schattenplan: Wo stehen die Gäste zwischen Trauung und Essen, gibt es Segel oder Bäume, und wie kommt Wasser auf die Tische. In einem Bundesland, in dem man fast überall draußen feiern kann, ist das die eigentliche Frage.
Umgekehrt gilt: Fast jedes Haus hat hier einen Außenbereich, und der ist selten nur ein Nebenschauplatz. Wer im Burgenland feiert, feiert in aller Regel draußen - der Saal ist die Ausnahme, nicht die Regel.
Was die Häuser verlangen
Preise stehen im Burgenland so selten auf einer Website wie überall sonst. Eine Ausnahme ist bemerkenswert deutlich: Schloss Halbturn weist die Raummieten seiner Festsäle offen aus - 1.250 Euro für den Saal Neapolitano, je 2.500 Euro für Maestoso und Conversano, 3.500 Euro für den Freskensaal mit dem Deckenfresko von Maulbertsch, und 3.250 Euro für das Paket aus drei Sälen. Dazu kommen 800 Euro Auf- und Abbau- sowie Reinigungspauschale.
Das ist nicht der Burgenland-Durchschnitt, sondern das obere Ende - ein barockes Schloss mit Maria-Theresia-Vergangenheit ruft auf, was es aufrufen kann. Als Orientierung taugt es trotzdem: Wenn ein Haus ohne Preisangabe „vergleichbar mit Halbturn“ sagt, wisst ihr jetzt, worüber ihr sprecht. Und es zeigt, dass Raummiete und Menü zwei getrennte Rechnungen sind - fragt bei jedem Angebot, welche der beiden ihr gerade seht.
Häuser im Norden, in der Mitte und im Süden
Viele Häuser nennen auf ihrer eigenen Website gar keine Gästezahl. Wo ein Strich steht, ist das keine Schätzung, sondern eine offene Frage - fragt nach, und zwar nach der Zahl sitzend beim Dinner, nicht nach der beim Stehempfang.
Bei den Trauungsarten gilt dasselbe: Aufgeführt ist nur, was der Betrieb selbst schreibt. Ein Strich heißt nicht, dass vor Ort nicht getraut werden darf - die Entscheidung darüber trifft ohnehin das Standesamt, in dessen Sprengel das Haus liegt.
| Location | Ort | Art | Gäste | Trauung vor Ort | Übernachtung |
|---|---|---|---|---|---|
| Burg Bernstein | 7434 Bernstein | Schloss | 50 | - | ja |
| Burg Güssing | 7540 Güssing | Schloss | - | standesamtlich, kirchlich | - |
| das Fritz | Weiden am See | Eventlocation | 150 | - | - |
| Hannersberg | 7473 Hannersdorf | Weingut | 450 | - | ja |
| Himmelblau Rust | 7071 Rust | Eventlocation | - | standesamtlich, frei | - |
| Martinsschlössl | 7082 Donnerskirchen | Weingut | - | - | - |
| Orangerie im Schlosspark | 7000 Eisenstadt | Eventlocation | - | standesamtlich | - |
| Rooftop 7301 | 7301 Deutschkreutz | Weingut | 110 | - | - |
| Schloss Esterházy | 7000 Eisenstadt | Schloss | - | standesamtlich | - |
| Schloss Halbturn, Knappenstöckl | 7131 Halbturn | Schloss | - | kirchlich | ja |
| ST. MARTINS Therme & Lodge | 7132 Frauenkirchen | Hotel | - | - | ja |
Die Gästezahl ist überall die höchste, die der Betrieb selbst nennt. Ein Strich heißt: Der Betrieb macht dazu keine Angabe. Fragt in dem Fall direkt nach - die Antwort entscheidet oft, ob ein Haus überhaupt in Frage kommt.
Häufige Fragen
- Was kostet eine Trauung außerhalb des Standesamts im Burgenland?
- Anders als in den übrigen Bundesländern entscheidet das nicht jede Gemeinde für sich. Die Landes-Kommissionsgebührenverordnung setzt den Satz landesweit fest. Purbach weist ihn zweistufig aus: 200 Euro werktags während der Amtsstunden und 300 Euro werktags außerhalb der Amtsstunden sowie an Samstagen, Sonntagen und Feiertagen. Dazu kommen die bundesweiten Beträge - 74 Euro für die Ermittlung der Ehefähigkeit und 54,50 Euro Verwaltungsabgabe für die Trauung außer Haus.
- Warum kostet die Trauung im Sitzungssaal der Gemeinde auch 300 Euro?
- Weil als Amtsraum nur das Dienstzimmer der Standesbeamtin oder des Standesbeamten gilt. Jeder andere Raum ist rechtlich „außerhalb der Amtsräume" - auch der Sitzungssaal direkt nebenan, auch wenn niemand das Gebäude verlässt. Die Gebühr hängt also nicht an der Entfernung, sondern an der Tür.
- Wo kann man in Eisenstadt standesamtlich heiraten?
- Der Standesamtsverband Eisenstadt führt zwölf Trauungsorte, darunter das Rathaus, Schloss Esterházy, die Orangerie, den Leopoldinentempel, den Pulverturm, das Kultur Kongress Zentrum und den Weinberg Hoberi. Der Leopoldinentempel steht nur von Mai bis September zur Verfügung. Getraut wird Montag bis Samstag zwischen 10 und 14.30 Uhr.
- Reserviert das Standesamt den Trauungsort mit?
- In Eisenstadt ausdrücklich nicht. Bei Hochzeiten außerhalb des Rathauses nimmt der Standesamtsverband keine Terminreservierung für den Trauungsort vor - ihr müsst den Ort selbst und parallel buchen. Wer nur den Amtstermin fixiert, hat noch keine Hochzeit.
- Wann ist die beste Zeit für eine Hochzeit am Neusiedler See?
- Mai, Juni und September. Der Hochsommer im Seewinkel wird regelmäßig sehr heiß, und das ist bei einer Feier im Freien mit Anzug und langem Kleid ein echter Faktor. Der Herbst ist Lesezeit bei den Winzern und gleichzeitig die schönste Zeit im Seewinkel - wer dann feiern will, fragt früh an.
- Was kostet eine Hochzeitslocation im Burgenland?
- Die wenigsten Häuser veröffentlichen Preise. Schloss Halbturn ist eine Ausnahme und weist die Raummieten seiner Festsäle offen aus: 1.250 Euro für den Saal Neapolitano, je 2.500 Euro für Maestoso und Conversano, 3.500 Euro für den Freskensaal und 3.250 Euro für das Paket aus drei Sälen, dazu 800 Euro Auf- und Abbau- sowie Reinigungspauschale. Das ist eine Hausnummer, kein Landesdurchschnitt - aber ein brauchbarer Anhaltspunkt für die obere Kante.