Hochzeitsbräuche in Österreich
Was bei einer Hochzeit üblich ist, hängt in Österreich stärker vom Tal ab als vom Land. Im Salzburger Land führt eine Laderin die Gäste durch den Tag, in Tirol sägt das Paar einen Baumstamm durch, und in der Steiermark zieht eine polternde Gruppe durch den Ort - alles unter demselben Wort Hochzeitsbrauch.
Bräuche sind regional, nicht national
Deutsche Brauchtumslisten führen österreichische Bräuche gern als „österreichische Tradition“ - so, als gälte im Burgenland dasselbe wie im Bregenzerwald. Das trifft es nicht. Die folgenden vier Bräuche sind jeweils an eine Region gebunden und dort in einer bestimmten Form üblich:
| Brauch | Wo | Wie er abläuft |
|---|---|---|
| Brautentführung | Niederösterreich, weit darüber hinaus | Die Entführer bringen die Braut ins nächste Wirtshaus oder Café, wo getrunken, getanzt und gesungen wird, bis der Bräutigam sie auslöst. Vor der Auslösung wird in Österreich und Bayern häufig ein Gstanzl gesungen. |
| Baumstammsägen | Tirol | Das Paar durchsägt gemeinsam einen Baumstamm - als Bild dafür, dass es Aufgaben nur miteinander schafft. Findet meist direkt nach der Trauung vor der Kirche statt. |
| Hochzeitsladerin | Salzburger Land | Eine Frau aus dem Ort führt die Gäste durch die Stationen des Tages und legt dabei Pausen für Lieder und Geschichten ein. |
| Poltern | Steiermark | Eine Gruppe zieht mit altem Geschirr durch den Ort und macht Lärm, um böse Geister zu vertreiben - die lautere, ältere Form dessen, was anderswo im Hof stattfindet. |
Die Brautentführung ist der verbreitetste davon und zugleich der mit den meisten Varianten. Gemeinsam ist ihnen, dass die Braut während der Feier verschwindet und der Bräutigam sie auslösen muss - meist, indem er die Zeche der Entführer übernimmt. Das Gstanzl vor der Auslösung ist der Teil, den deutsche Beschreibungen regelmäßig auslassen.
Eine Brautentführung, die niemand wollte, kippt einen Abend zuverlässig - besonders wenn Fotos, Menü oder Reden gerade laufen. Sagt den Trauzeugen früh, ob ihr sie wollt und wenn ja in welchem Zeitfenster. Wer sie ganz ablehnt, sagt das ebenfalls; sonst beginnt sie jemand, der es gut meint.
Die zwei Vorfeste
Vor der Hochzeit stehen in Österreich zwei Feste, die ständig verwechselt werden, weil sie oft zusammengelegt werden.
Der Polterabend ist das offene Fest: beide Partner, dazu Familie, Nachbarschaft und Bekannte, quer durch die Generationen. Zerschlagen wird Porzellan und Steingut, niemals Glas - und aufgeräumt wird vom Brautpaar gemeinsam, worin der eigentliche Sinn des Brauchs liegt.
Der Junggesellenabschied ist das Gegenteil: getrennt, im engen Freundeskreis, organisiert von den Trauzeugen. Er ist ein Geschenk an die gefeierte Person - und scheitert fast nie am Programm, sondern an ungeklärten Kosten und ungefragten Grenzen.
Was in der Kirche dazukommt
Bei einer kirchlichen Trauung kommen Zeichen dazu, die kein Brauchtum im engeren Sinn sind, sondern Teil der Feier - Ringsegnung, Vermählungsspruch, Trauungssegen. Sie sind im Ablauf festgelegt.
Die Hochzeitskerze gehört ausdrücklich nicht dazu, und das überrascht die meisten Paare: In der Ablaufbeschreibung der Diözese Innsbruck kommt sie nicht vor. Sie ist ein freiwilliges Symbol, das ihr mitbringt - weshalb Zeitpunkt und Einbindung mit der Pfarre zu klären sind und nicht aus einer Vorlage übernommen werden können.
Wie ihr auswählt, was ihr mitmacht
Kein Paar macht alles mit, und keines muss. Drei Fragen führen schneller zu einer Entscheidung als jede Liste.
- Kennen die Gäste den Brauch? Ein Baumstamm vor einer Wiener Kirche erklärt sich nicht von selbst. Bräuche wirken dort, wo sie verstanden werden - sonst braucht es eine Erklärung, und die nimmt ihnen die Leichtigkeit.
- Wer müsste dafür etwas tun? Hochzeitsladerin, Gstanzl, Baumstamm: Das sind Aufgaben für Menschen, die sie können. Wenn niemand im Umfeld sie übernimmt, wird es bemüht.
- Passt er in den Ablauf? Eine Entführung während des Menüs kostet den Koch den Zeitplan. Wenn ein Brauch vorkommen soll, bekommt er ein Zeitfenster wie jeder andere Programmpunkt auch.
Was ihr an regionalen Bräuchen erwarten könnt, hängt auch vom Ort der Feier ab - die Bundesland-Seiten unter Hochzeitslocation beschreiben, worauf ihr euch in der jeweiligen Gegend einstellt.
Die Bräuche im Einzelnen
Häufige Fragen
- Welche Hochzeitsbräuche gibt es in Österreich?
- Die bekanntesten sind der Polterabend mit dem Zerschlagen von Porzellan, der Junggesellenabschied, die Brautentführung und die Hochzeitskerze bei der kirchlichen Trauung. Dazu kommen regional geprägte Bräuche: das Baumstammsägen in Tirol, die Hochzeitsladerin im Salzburger Land und das Poltern als Umzug durch den Ort in der Steiermark.
- Was ist die Brautentführung?
- Freunde des Bräutigams entführen die Braut während der Feier und bringen sie in ein nahes Wirtshaus oder Café. Der Bräutigam muss sie auslösen, oft indem er die Zeche übernimmt oder Aufgaben erfüllt. In Österreich und Bayern wird vor der Auslösung häufig ein Gstanzl gesungen. Der Brauch kennt viele regionale Ausprägungen.
- Muss man Hochzeitsbräuche mitmachen?
- Nein. Bräuche sind Angebote, keine Verpflichtungen, und viele Paare wählen bewusst aus. Wichtig ist nur, dass die Entscheidung vorher fällt und die Trauzeugen sie kennen - Brautentführung und ähnliche Überraschungen werden sonst von Gästen begonnen, die es gut meinen.
- Ist die Hochzeitskerze bei der kirchlichen Trauung Pflicht?
- Nein. Im Ablauf des Traugottesdienstes, wie ihn die Diözese Innsbruck beschreibt, kommt sie nicht vor. Sie ist ein freiwilliges Symbol, das das Brautpaar mitbringt - ob und wann sie angezündet wird, wird mit der Pfarre abgesprochen.
- Was ist der Unterschied zwischen Polterabend und Junggesellenabschied?
- Der Polterabend ist ein gemeinsames Fest beider Partner mit Familie, Nachbarn und Bekannten. Der Junggesellenabschied wird getrennt gefeiert, im engen Freundeskreis und ohne die andere Person. In Österreich werden die Begriffe oft vermischt.