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Die kirchliche Trauung

Sie ist für viele Paare der Teil mit dem größten Gewicht - und der mit dem längsten Vorlauf. Ein Jahr vorher beginnt der Weg, und ein Dokument aus der Kinderzeit reicht dafür nicht.

Blick durch den Mittelgang einer barocken Dorfkirche zum Altar, davor ein Strauß aus weißen Rosen und Eukalyptus.

Kurz zusammengefasst

  • Eine rein kirchliche Eheschließung ist in Österreich ungültig
  • Das Standesamt muss vorausgehen, die Heiratsurkunde wird verlangt
  • Anmeldung in der Wohnsitzpfarre, zwölf bis sechs Monate vorher
  • Der Taufschein muss neu sein - in Innsbruck höchstens drei Monate alt
  • Das Eheseminar ist verpflichtender Teil der Vorbereitung
  • Das Trauungsprotokoll klärt Fähigkeit und Willen zur Ehe
  • Bei verschiedenen Religionen braucht es eine Dispens

Kirchlich heiraten heißt in Österreich: zweimal Ja sagen, an zwei Orten, vor zwei ganz unterschiedlichen Stellen. Der eine Termin schafft die Ehe rechtlich, der andere sakramental. Welcher davon euch mehr bedeutet, ist eure Sache - welcher zuerst kommen muss, ist es nicht.

Rein kirchlich geht nicht

Eine rein kirchliche Eheschließung ist in Österreich nach österreichischem Recht ungültig. So formuliert es oesterreich.gv.at. Eine rechtsgültige Ehe kommt ausschließlich vor der Standesbeamtin zustande.

Die Kirchen sehen das genauso. Die evangelischen Kirchen formulieren es knapp: Als verheiratet gilt, wer am Standesamt Ja gesagt hat. Und die katholische Anmeldung verlangt ausdrücklich die standesamtliche Heiratsurkunde - ohne sie beginnt das Verfahren gar nicht.

Praktisch heißt das: Der Amtsteil steht vorher, oft Wochen oder Monate früher und im kleinen Kreis. Die Kirche ist dann der Tag, an dem gefeiert wird. Wer beides am selben Tag will, muss das früh mit beiden Stellen abstimmen.

Der Zeitplan der Diözesen

Die Diözese Innsbruck legt den Ablauf am klarsten offen. Er dürfte in den anderen Diözesen ähnlich aussehen, weicht im Detail aber ab:

WannWas ansteht
12 bis 6 Monate vorherKontaktaufnahme mit der Wohnsitzpfarre, Termin und Kirche absprechen
6 bis 3 Monate vorherTraugespräch mit Aufnahme des Trauungsprotokolls, Anmeldung zum Eheseminar
3 bis 1 Monat vorherDetails mit dem Zelebranten abstimmen: Ablauf, Lesungen, Musik
Tag davorLetzte Absprachen und Vorbereitung in der Kirche

Für die evangelische Trauung wird ein erstes Gespräch mit der zuständigen Pfarrerin oder dem Pfarrer rund sechs Monate vor dem Termin empfohlen.

Beliebte Termine sind früh vergeben

Die Zwölf-Monate-Empfehlung ist keine Formalie. Samstage im Mai, Juni und September sind in vielen Pfarren lange im Voraus ausgebucht - und anders als beim Standesamt gibt es keine zweite Kirche, die einspringt, wenn eure Wunschkirche belegt ist.

Wo ihr euch anmeldet

Zuständig ist die Pfarre, in der die Braut oder der Bräutigam den Wohnsitz hat. Dort findet die Trauung normalerweise auch statt. Eine andere Kirche ist möglich, aber sie braucht die Zustimmung des zuständigen Pfarrers - ihr könnt euch also nicht einfach die schönste Kirche des Landes aussuchen.

Das ist der wichtigste Unterschied zum Standesamt, wo jedes Amt Ausgangspunkt sein kann und ihr danach in jeder Gemeinde Österreichs heiraten dürft. In der Kirche gilt die Zuständigkeit nach Wohnsitz, und Ausnahmen werden gewährt, nicht beansprucht.

Was ihr mitbringt

DokumentAnmerkung
TaufscheinAktuelle Taufscheinergänzung, in Innsbruck höchstens drei Monate alt
GeburtsurkundeVon beiden Partnern
Standesamtliche HeiratsurkundeDie Zivilehe muss vorausgegangen sein
MeldezettelWenn die Adresse der Pfarre nicht bekannt ist, dazu ein Lichtbildausweis
Daten der TrauzeugenBei der katholischen Anmeldung verlangt
Frühere EhenUnterlagen zu einer Vorehe, falls zutreffend

Der Taufschein aus der Kinderzeit genügt nicht. Verlangt wird eine aktuelle Taufscheinergänzung - in Innsbruck höchstens drei Monate alt. Ausgestellt wird sie von der Pfarre, in der ihr getauft wurdet, nicht von eurer heutigen. Wer weit weg oder im Ausland getauft wurde, sollte damit früh anfangen.

Für die evangelische Trauung verlangt oesterreich.gv.at den Taufschein oder eine Bestätigung der Religionsgemeinschaft, die standesamtliche Heiratsurkunde und bei einer Vorehe die Sterbeurkunde beziehungsweise Heiratsurkunde samt Scheidungsunterlagen.

Das Trauungsprotokoll

Der Kern der katholischen Vorbereitung ist ein Gespräch, nicht ein Formular. Im Traugespräch klärt der Pfarrer, wie die Katholische Kirche Steiermark es formuliert, „die Fähigkeit und der Wille zur sakramentalen Ehe“ sowie den freiwilligen Konsens beider Partner. Das Ergebnis wird als Protokoll festgehalten und von den Anwesenden unterschrieben.

Es ist also kein Verwaltungsakt, sondern eine Art Prüfung der Ernsthaftigkeit - und es ist der Moment, in dem sich klären lässt, was ihr euch von der kirchlichen Trauung eigentlich erwartet. Wer das Gespräch als Hürde betrachtet, verschenkt es.

Das Eheseminar

Für die katholische Trauung ist es verpflichtend. Die Katholische Kirche Steiermark nennt es einen verpflichtenden Bestandteil der Vorbereitung, die Diözese Innsbruck einen fixen Bestandteil. Angemeldet wird üblicherweise beim Traugespräch, also sechs bis drei Monate vor dem Termin.

Das Angebot ist größer, als viele annehmen: Allein in der Steiermark werden über 200 Seminare an mehr als 60 Orten gehalten. Inhaltlich geht es um Kommunikation und Konfliktlösung, nicht um Katechismus - Paare berichten regelmäßig, dass sie mit weniger Erwartung hingehen und mit mehr herauskommen.

Die evangelische Trauung

Der Weg ist derselbe, die Bedingungen sind etwas offener. Auch hier gilt die standesamtliche Trauung als Voraussetzung, das Erstgespräch wird rund sechs Monate vorher empfohlen, und zuständig ist die Wohnsitzpfarre.

Zwei Unterschiede fallen auf: Trauzeugen sind nicht verpflichtend, und die Trauung steht laut oesterreich.gv.at sowohl verschieden- als auch gleichgeschlechtlichen Paaren offen - in einer der Konfessionen allerdings abhängig von der Bereitschaft der jeweiligen Pfarrgemeinde.

Wenn ihr verschiedenen Konfessionen angehört

Gehört eine Person einer anderen Religion an, ist für die katholische Trauung eine Dispens nötig. Der Wohnsitzpfarrer kann sie nach Aufnahme des Trauungsprotokolls erteilen oder das Verfahren dafür einleiten - es ist also kein Ausschlussgrund, sondern ein zusätzlicher Schritt, den ihr einplanen solltet.

Sprecht das beim ersten Kontakt an, nicht beim Traugespräch. Je nach Konstellation wandert der Antrag an das Ordinariat, und das kostet Zeit, die in der Zwölf-Monate-Planung sonst nicht vorgesehen ist.

Was es kostet

Die österreichischen Diözesen veröffentlichen keinen Betrag für die Trauung selbst. Das ist kein Versehen: Die Feier eines Sakraments wird nicht in Rechnung gestellt.

Kosten entstehen trotzdem - für Organistin, Chor oder Solisten, für Blumenschmuck, für den Mesnerdienst, teils für die Reinigung. Diese Positionen regelt jede Pfarre selbst. Fragt beim Traugespräch danach und lasst euch sagen, was die Pfarre organisiert und was ihr selbst besorgen müsst; das ist häufiger die Ursache für Missverständnisse als die Höhe der Beträge.

Fristen und Unterlagen regelt jede Diözese selbst; die Angaben oben stammen von den Diözesen Innsbruck und Steiermark sowie von oesterreich.gv.at. Verbindliche Auskunft zu eurem Fall gibt euch die zuständige Pfarre.

Häufige Fragen

Kann man in Österreich nur kirchlich heiraten?
Nein. oesterreich.gv.at hält fest, dass eine rein kirchliche Eheschließung nach österreichischem Recht ungültig ist - eine rechtsgültige Ehe kommt nur vor der Standesbeamtin zustande. Auch die evangelischen Kirchen formulieren es so: Als verheiratet gilt, wer am Standesamt Ja gesagt hat.
Wie früh muss man die kirchliche Trauung anmelden?
Die Diözese Innsbruck empfiehlt, sich zwölf bis sechs Monate vor dem Wunschtermin in der Wohnsitzpfarre zu melden. Das Traugespräch mit Protokollaufnahme folgt sechs bis drei Monate vorher, die Absprache mit dem Zelebranten drei bis einen Monat vorher. Für die evangelische Trauung wird ein Erstgespräch rund sechs Monate vorher empfohlen.
Wie alt darf der Taufschein sein?
Die Diözese Innsbruck verlangt eine aktuelle Taufscheinergänzung, die höchstens drei Monate alt ist. Der Taufschein aus der Kinderzeit genügt also nicht - ihr müsst ihn bei eurer Taufpfarre neu ausstellen lassen. Das ist der Punkt, an dem Paare am häufigsten in Zeitnot geraten.
Ist ein Eheseminar verpflichtend?
Für die katholische Trauung ja. Die Katholische Kirche Steiermark bezeichnet das Eheseminar als verpflichtenden Bestandteil der Vorbereitung, die Diözese Innsbruck als fixen Bestandteil. In der Steiermark allein werden über 200 Seminare an mehr als 60 Orten angeboten.
Braucht man für die kirchliche Trauung Trauzeugen?
Bei der katholischen Trauung ja - bei der Anmeldung werden die Daten der Trauzeugen verlangt. Für die evangelische Trauung sind Trauzeugen laut oesterreich.gv.at nicht verpflichtend. Für die standesamtliche Trauung gilt ohnehin: null, eine oder zwei Personen sind zulässig.