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Die Boho-Hochzeit

Lange Tafeln auf einer Wiese, Pampasgras im Abendlicht, ein Traubogen aus Ästen und Makramee. Der Boho-Stil sieht aus, als wäre er einfach passiert - und genau das ist der aufwendigste Teil daran. Wer ihn will, klärt zuerst eine Frage, die mit Deko nichts zu tun hat: ob ihr an eurem Ort überhaupt unter freiem Himmel getraut werden dürft.

Gäste an einer langen Tafel auf einer Bergwiese, dazwischen Pampasgras und Trockenblumen im Abendlicht.

Kurz zusammengefasst

  • Erdtöne, Holz, Leinen und Makramee statt Weiß, Glas und Silber
  • Trockenblumen und Pampasgras statt runder Gestecke
  • Der Stil lebt von der Trauung im Freien - in Österreich entscheidet das die Gemeinde
  • Pampasgras blüht August bis November, getrocknet hält es über ein Jahr
  • Almen, Weingüter und Höfe tragen den Stil, barocke Säle arbeiten dagegen
  • Günstiger ist Boho nicht automatisch: Er dekoriert Flächen, nicht Tische

Woran ihr den Stil erkennt

Boho ist kein Farbschema, sondern eine Haltung: Alles darf aussehen, als wäre es gewachsen und nicht gekauft. Das klingt beliebig, ist aber erstaunlich klar umrissen - und lässt sich in fünf Punkten abhaken.

ElementWoran man es erkennt
FarbenCreme, Sand, Terrakotta, staubiges Rosé, viel Naturton - kein Weiß-Silber
MaterialHolz, Leinen, Rattan, Makramee, Ton statt Glas und Chrom
BlumenTrockenblumen, Pampasgras, Eukalyptus, lockere Sträuße statt runder Gestecke
AufbauTraubogen, Teppiche im Freien, Sitzkissen, lange Tafeln statt runder Tische
Kleidungfließende Schnitte, Spitze, offenes Haar, Blumenkranz statt Schleier

Der schnellste Test für jedes Deko-Element: Wirkt es weich? Boho kennt kaum harte Kanten, kein Hochglanz und keine Symmetrie. Ein perfekt ausgerichteter runder Tisch mit gestärkter weißer Decke ist das Gegenteil dieses Stils, auch wenn Trockenblumen darauf stehen.

Der Stil verlangt draußen

Das Bild, das Paare zu diesem Stil bringt, ist fast immer dasselbe: die Zeremonie unter freiem Himmel, ein Bogen aus Ästen, Stuhlreihen im Gras. Bevor ihr an Deko denkt, gehört genau das geklärt - denn in Österreich ist es keine Selbstverständlichkeit.

Ob ein Standesamt außerhalb des Amtsgebäudes traut, entscheidet die Gemeinde, in deren Sprengel der Ort liegt, nicht die Location und nicht ihr. Die Ämter handhaben das sehr verschieden: Manche trauen auf Berggipfeln und Schiffen, andere schließen Außentrauungen ausdrücklich aus. Was dabei gilt und wie ihr es abfragt, steht bei der Trauung im Freien.

Es gibt einen zweiten Weg, und viele Boho-Paare gehen ihn: die freie Trauung. Sie ist überall möglich, frei gestaltbar und braucht keine Genehmigung - sie ersetzt in Österreich die standesamtliche aber nicht. Wer so plant, heiratet vorher im kleinen Kreis am Amt und feiert die Zeremonie, die auf den Fotos zu sehen ist, an seinem Wunschort.

Die Reihenfolge, die Ärger spart

Erst fragen, ob am Wunschort getraut werden darf. Dann die Location zusagen. Dann Deko. Wer die Anzahlung leistet und danach erfährt, dass die Zeremonie im Amtszimmer stattfinden muss, hat den Stil verloren, um den es ihm ging.

Trockenblumen lösen die Saisonfrage

Trockenblumen sind das Markenzeichen dieses Stils, und sie sind mehr als eine Optik - sie lösen ein Problem, das in Österreich jede Hochzeit außerhalb des Sommers hat. Frische Blumen folgen der Saison, und die ist im Alpenraum kurz. Getrocknete tun das nicht.

Pampasgras blüht von August bis November und wird im Spätsommer und Herbst geerntet, am besten bevor die Wedel vollständig verblüht sind - danach zerfallen sie. Getrocknet hält es über ein Jahr, mit etwas Sorgfalt deutlich länger. Wer im April heiratet, arbeitet also mit der Ernte des Vorjahres, und niemand sieht es.

Das hat drei praktische Folgen, die bei frischen Blumen nicht gelten:

  • Ihr könnt Monate vorher binden - oder binden lassen. Nichts welkt, nichts muss am Vortag geliefert werden.
  • Hitze ist egal. Ein Strauß, der im August acht Stunden auf einer Alm in der Sonne steht, sieht am Abend gleich aus wie am Morgen.
  • Es bleibt danach. Der Brautstrauß hält Jahre, was bei diesem Stil oft mitgedacht ist.

Zwei Einschränkungen gehören dazu: Trockenblumen sind staubempfindlich und lichtscheu - direkte Sonne bleicht sie über Wochen aus, was vor der Hochzeit relevant ist, nicht danach. Und sie sind kein Sparposten: Pampasgras und getrocknete Sträuße kosten pro Stiel oft mehr als Schnittblumen der Saison.

Welche Location den Stil trägt

Bei kaum einem Stil entscheidet die Location so viel. Boho braucht Holz, Naturmaterial und Fläche - bringt das Haus es mit, reicht wenig Deko. Bringt es das Gegenteil mit, kämpft ihr den ganzen Tag dagegen an.

Was den Stil trägt: Almen und Berghütten, Weingüter mit Presshaus und Hof, Scheunen und Höfe. Im Verzeichnis dieser Seite sind derzeit 9 Almen und Berghütten sowie 24 Weingüter erfasst, und 110 der 127 Häuser haben einen Außenbereich - die Grundvoraussetzung für diesen Stil.

Ein österreichisches Beispiel, das zeigt, wie weit das gehen kann: Die Jufenalm in Maria Alm liegt auf 1.150 Metern und wirbt ausdrücklich mit einer Boho-Hochzeit in den Alpen. Sie vergibt das ganze Haus exklusiv, bietet Platz für achtzig übernachtende Gäste und ermöglicht freie Trauungen rund um ihre historische Kapelle - ein Ort, an dem der Stil nicht dekoriert, sondern schon da ist.

Was gegen den Stil arbeitet, ist ebenso klar: barocke Säle mit Stuck und Kronleuchtern, Hotelbankettsäle mit Teppichboden, alles mit viel Gold und Symmetrie. Solche Räume sind schön - sie tragen nur einen anderen Stil, und Trockenblumen darin wirken wie ein Zitat. Welche Häuser welchen Charakter haben, steht bei den Locations.

Wohin das Geld geht

Boho gilt als der günstige Stil, weil er nach Selbstgemachtem aussieht. Das stimmt selten, und es ist gut zu wissen, warum: Andere Stile dekorieren Tische, Boho dekoriert Flächen.

Ein klassisches Gesteck kostet pro Tisch. Ein Traubogen, Teppiche im Gras, Sitzkissen für die Zeremonie, Makramee-Elemente als Wand, Lichterketten über dem ganzen Hof - das kostet pro Quadratmeter. Bei sechzig Gästen ist der Unterschied überschaubar, bei hundertzwanzig nicht mehr.

Wo bei diesem Stil tatsächlich gespart wird:

  • An der Location, wenn sie mitbringt, was der Stil braucht. Eine Scheune mit Holzbalken und Hof braucht keine Verkleidung - ein neutraler Saal schon.
  • An der Blumenmenge. Boho verträgt Lücken. Lockere, asymmetrische Arrangements brauchen weniger Material als dichte runde Gestecke.
  • An der Mehrfachnutzung. Der Traubogen wird nach der Zeremonie hinter die Tafel oder zur Fotowand. Das ist bei diesem Stil üblich und spart ein zweites Element.

Und wo es teuer wird, ohne dass man es erwartet: bei Mobiliar. Lange Holztafeln, Rattanstühle und Sitzkissen hat kaum eine Location im Bestand - das wird gemietet, geliefert und wieder abgeholt. Fragt beim Haus, was da ist, bevor ihr eine Liste erstellt.

Woran der Stil kippt

Boho ist verzeihend bei Unordnung und unerbittlich bei drei Dingen. Wer sie kennt, spart sich die Fotos, auf denen etwas nicht stimmt und niemand sagen kann, was.

Der Wind. Alles an diesem Stil ist leicht: Makramee, Trockenblumen, Papier, Stoffbahnen, Federn. Auf einer Alm oder am Neusiedler See ist das keine Kleinigkeit. Beschwert jedes Element, das nicht befestigt ist, und plant für Traubogen und Hängedeko eine echte Verankerung ein - nicht zwei Sandsäcke.

Der Boden. Teppiche und Sitzkissen auf einer Wiese sehen nach Sorglosigkeit aus und funktionieren nur, wenn es zwei Tage nicht geregnet hat. Klärt den Schlechtwetterplan für die Zeremonie genauso wie den für die Feier - und denkt an Absätze im weichen Boden.

Die Mischung. Boho verträgt vieles nebeneinander, aber nicht alles. Sobald Glitzer, Chrom, Ballons oder kräftige Signalfarben dazukommen, kippt die Wirkung von gewachsen zu zusammengewürfelt. Ein enger Farbraum - Creme, Sand, Terrakotta, staubiges Rosé - hält das zusammen, auch wenn zehn verschiedene Hände dekorieren.

Häufige Fragen

Was macht eine Boho-Hochzeit aus?
Natürliche Materialien und warme Erdtöne statt Weiß und Silber: Holz, Leinen, Rattan und Makramee, dazu Trockenblumen, Pampasgras und Eukalyptus. Gefeiert wird meist im Freien oder in einer Scheune, mit langen Tafeln statt runder Tische. Die Kleidung folgt dem Gleichen - fließende Schnitte, Spitze, oft ein Blumenkranz statt Schleier.
Kann man in Österreich im Freien standesamtlich heiraten?
Nicht überall. Ob das Standesamt außerhalb des Amtsgebäudes traut, entscheidet die Gemeinde, in deren Sprengel der Ort liegt - und die Ämter handhaben es sehr unterschiedlich. Für eine Boho-Hochzeit, die von der Trauung unter freiem Himmel lebt, ist das die erste Frage, nicht die letzte. Eine freie Trauung ist überall möglich, ersetzt in Österreich aber die standesamtliche nicht.
Wann hat Pampasgras Saison?
Pampasgras blüht von August bis November und wird im Spätsommer und Herbst geerntet, am besten bevor die Wedel vollständig verblüht sind. Getrocknet hält es über ein Jahr, oft deutlich länger. Wer im Frühjahr heiratet, kauft es also aus der Ernte des Vorjahres - das ist kein Nachteil, sondern der Grund, warum Trockenblumen unabhängig von der Saison funktionieren.
Ist eine Boho-Hochzeit günstiger?
Nicht automatisch. Der Stil sieht schlicht aus, ist aber flächig: Traubogen, Teppiche, Sitzkissen, Makramee-Elemente und lange Tafeln kosten in Summe oft mehr als klassische Tischgestecke. Gespart wird bei Boho vor allem dort, wo die Location schon mitbringt, was der Stil braucht - Holz, Grün, Weite.
Welche Location passt zu einer Boho-Hochzeit?
Alles, was Holz, Naturmaterial und Außenfläche mitbringt: Almen und Berghütten, Weingüter, Scheunen und Höfe. Die Jufenalm in Maria Alm auf 1.150 Metern etwa wirbt ausdrücklich mit einer Boho-Hochzeit in den Alpen und ermöglicht freie Trauungen rund um ihre historische Kapelle. Umgekehrt arbeitet ein barocker Schlosssaal gegen den Stil, statt ihn zu tragen.