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Die freie Trauung

Sie ist die Zeremonie, die viele Paare eigentlich meinen, wenn sie an ihre Hochzeit denken: eigene Worte, eigener Ort, eigene Reihenfolge. Nur eines kann sie nicht - euch verheiraten.

Blumenbogen und Stuhlreihen auf einer Wiese mit Blick über Weinberge.

Kurz zusammengefasst

  • Eine freie Trauung hat in Österreich keine rechtliche Wirkung
  • Verheiratet seid ihr erst nach der standesamtlichen Trauung
  • Rund 45 Minuten sind üblich, der Ablauf ist frei gestaltbar
  • Kosten für die Rednerin: etwa 350 bis 2.500 Euro, meist ohne Fahrtkosten
  • Dahinter stecken 11 bis 20 Arbeitsstunden
  • Trauzeugen, Alter, Ausweise: keine Vorgaben, weil nichts beurkundet wird
  • Im Freien heiraten geht auch standesamtlich - das ist etwas anderes

Bei einer freien Trauung gestaltet eine Rednerin oder ein Redner eure Zeremonie so, wie ihr sie euch vorstellt: mit eurer Geschichte, eurer Musik, euren Versprechen, an einem Ort, den ihr aussucht. Anders als bei der kirchlichen Trauung gibt es dabei keine Pfarre, keine Zuständigkeit nach Wohnsitz und keine Vorbereitungspflicht. Was dabei entsteht, ist oft der bewegendste Teil des Tages. Was dabei nicht entsteht, ist eine Ehe.

Sie ersetzt das Standesamt nicht

Rechtsgültig verheiratet seid ihr in Österreich erst nach der standesamtlichen Trauung. Die freie Zeremonie hat keine rechtliche Verbindlichkeit - so formulieren es die Anbieter selbst. Sie kann davor oder danach stattfinden, an einem anderen Tag oder wenige Stunden später, aber sie tritt nie an die Stelle des Amtsakts.

Das ist keine Formalie, sondern hat Folgen, an die im Planungsrausch selten jemand denkt: Ohne standesamtliche Trauung gibt es kein Ehegattenerbrecht, keinen Unterhaltsanspruch, keine gemeinsame Veranlagung, keine Hinterbliebenenpension und kein automatisches Vertretungsrecht im Krankenhaus. Wer nur frei traut, lebt rechtlich in einer Lebensgemeinschaft.

Umgekehrt heißt das aber auch: Weil nichts beurkundet wird, gibt es auch keine Vorschriften. Keine Zeugen, keine Mindestalter, keine Ausweispflicht, keine Fristen, keine Gebühren an eine Behörde. Diese Freiheit ist der ganze Punkt der Sache.

Standesamtliche TrauungFreie Trauung
Wer leitetStandesbeamtin oder Standesbeamter, im Auftrag des StaatesEine Rednerin oder ein Redner eurer Wahl - eine behördliche Befugnis braucht es nicht
Rechtliche WirkungBegründet die EheKeine. Die Zeremonie bewirkt rechtlich nichts.
DauerDer rechtliche Kern in wenigen MinutenEtwa 45 Minuten sind üblich
OrtAmtsraum, auf Wunsch auch außerhalbÜberall, wo ihr dürft
TextEine feste Frage, darauf zwei Mal JaFrei gestaltbar, samt eigenem Gelübde
KostenRund 82 Euro im Amtsraum, auswärts deutlich mehrEtwa 350 bis 2.500 Euro für die Rednerin

Wie sie abläuft

Einen vorgeschriebenen Ablauf gibt es nicht - genau deshalb wählen Paare diese Form. In der Praxis hat sich trotzdem eine Reihenfolge eingespielt, die die österreichischen Anbieter übereinstimmend beschreiben:

  • Einzug und Begrüßung. Die Rednerin holt die Gäste ab und erklärt, warum alle heute hier sind.
  • Eure Geschichte. Das Herzstück: wie ihr euch kennengelernt habt, woran ihr gewachsen seid. Dafür führt die Rednerin vorab Gespräche mit euch, oft auch mit Freunden und Familie.
  • Rituale und Versprechen. Das Ehegelübde, dazu ein Ritual, wenn ihr eines wollt.
  • Ringtausch und Kuss. Ohne Amtsakt, aber mit demselben Gewicht.
  • Musik und Auszug. Live oder vom Band, ohne die Beschränkungen, die im Amtsraum gelten.

Rechnet mit etwa 45 Minuten. Das ist deutlich mehr als beim Standesamt, wo der rechtliche Kern in wenigen Minuten erledigt ist - und der Unterschied ist genau der Grund, warum viele Paare beides wollen.

Das Ehegelübde

Der Moment, vor dem die meisten am meisten Respekt haben. Beim Standesamt genügt ein Ja auf eine gestellte Frage; hier formuliert ihr selbst, was ihr einander versprecht.

Was in der Praxis funktioniert: kurz halten. Eine bis anderthalb Minuten pro Person sind genug - das sind etwa 150 bis 200 Wörter. Wer länger spricht, verliert den Raum. Konkret werden statt allgemein: Ein Satz über eine bestimmte Nacht, eine bestimmte Entscheidung, eine bestimmte Marotte trägt weiter als jede Formel über die ewige Liebe. Und ein Versprechen aussprechen, nicht nur ein Gefühl beschreiben - ein Gelübde sagt, was ihr tun werdet.

Vorher abstimmen

Klärt zu zweit die Länge und den Ton, aber nicht den Inhalt. Wenn eine Person drei Minuten spricht und die andere zwanzig Sekunden, merkt das jeder im Raum. Viele Paare geben ihre Texte vorab nur der Rednerin - die sieht dann, ob beide ungefähr zusammenpassen, ohne die Überraschung zu verderben.

Rituale

Rituale geben der Zeremonie einen sichtbaren Höhepunkt und den Gästen etwas zum Zuschauen. Verbreitet sind das Sandritual, bei dem zwei Gefäße in eines geschüttet werden, die Weinzeremonie, das gemeinsame Pflanzen eines Baumes oder die Ringwärmung, bei der die Ringe durch die Reihen wandern und jeder Gast ihnen einen Wunsch mitgibt.

Der Anbieter formuliert es zurückhaltend und richtig: Inhalt, Ablauf und Rituale sind frei gestaltbar und werden auf das Paar abgestimmt. Heißt im Klartext: Nehmt nur, was zu euch passt. Ein Ritual, das sich fremd anfühlt, sieht man auf jedem Foto.

Was sie kostet

Anders als beim Standesamt gibt es keine Gebührenordnung. Die veröffentlichten Preise österreichischer Anbieter reichen von etwa 350 bis 2.500 Euro, Fahrtkosten meist nicht enthalten. Der Faktor sieben ist kein Qualitätsurteil, sondern ein Mengenunterschied: Hinter einer Zeremonie stecken 11 bis 20 Arbeitsstunden, und je nach Anbieter sind davon unterschiedlich viele im Preis.

Die vollständige Aufschlüsselung, die vier Fragen fürs Erstgespräch und was in eine Vereinbarung gehört, stehen auf der Seite Eine Traurednerin finden.

Nicht dasselbe wie im Freien heiraten

Die häufigste Verwechslung: „freie Trauung“ und „Trauung im Freien“ klingen ähnlich, meinen aber Verschiedenes. Das eine beschreibt, wer traut, das andere wo.

Ihr könnt in Österreich auch standesamtlich unter freiem Himmel heiraten. Die Standesbeamtin kommt heraus, wenn sie den Ort für angemessen hält. Dafür fallen 54,50 Euro Verwaltungsabgabe an, dazu die Zuschläge der jeweiligen Stadt - Salzburg deckelt externe Trauungen bei maximal 500 Euro, Linz verlangt rund 400 Euro zusätzlich. Die vollständige Aufstellung steht bei den Kosten am Standesamt.

Wer also vor allem den Ort will und nicht die freie Gestaltung, braucht keine Rednerin - das Standesamt kann das auch, und deutlich günstiger.

Beides an einem Tag

Der übliche Weg: Ihr geht vorher aufs Standesamt, meist in kleinem Kreis und unter der Woche, weil es dann am günstigsten ist. Die freie Trauung wird zur eigentlichen Feier, mit allen Gästen, am Wunschort.

Drei Dinge, die dabei schiefgehen können:

  • Die Sechsmonatsfrist. Die Ermittlung der Ehefähigkeit gilt ab dem Tag der Feststellung nur ein halbes Jahr. Wer den Amtsteil lange vorzieht, muss ihn womöglich wiederholen - Details beim Aufgebot.
  • Die Erwartung der Gäste. Sagt dazu, was gilt. Wer glaubt, bei der rechtlichen Trauung dabei zu sein, und später erfährt, dass die längst stattgefunden hat, fühlt sich übergangen.
  • Der Zeitpuffer. Wenn beides auf einen Tag fällt, plant zwischen Amtsraum und Zeremonie mehr Luft ein, als der Kalender nahelegt. Standesämter arbeiten getaktet, eure Gesellschaft nicht.

Häufige Fragen

Ist eine freie Trauung in Österreich rechtsgültig?
Nein. Rechtsgültig verheiratet seid ihr in Österreich erst nach der standesamtlichen Trauung. Eine freie Zeremonie hat keine rechtliche Verbindlichkeit - das sagen auch die Anbieter selbst. Sie kann davor oder danach stattfinden, ersetzt den Amtsakt aber nicht.
Was kostet eine freie Trauung?
Die Spanne in Österreich reicht von etwa 350 bis 2.500 Euro. Ein Branchenportal nennt 1.000 bis 2.500 Euro als üblichen Rahmen mit rund 1.500 Euro im Mittel. Der Unterschied erklärt sich über den Aufwand: 11 bis 20 Arbeitsstunden für Kennenlernen, Manuskript, Recherche und Anreise. Fahrtkosten kommen meist extra.
Wie lange dauert eine freie Trauung?
Etwa 45 Minuten sind üblich, je nach gewählten Elementen auch mehr oder weniger. Damit dauert sie deutlich länger als eine standesamtliche Trauung, deren rechtlicher Kern in wenigen Minuten erledigt ist.
Braucht man für eine freie Trauung Trauzeugen?
Nein. Weil die Zeremonie rechtlich nichts bewirkt, gibt es auch keine Vorgaben zu Zeugen, Alter oder Ausweisen. Wer bei euch steht und welche Rolle er übernimmt, entscheidet ihr. Die Regeln zu Trauzeugen gelten nur für die standesamtliche Trauung.
Kann man in Österreich im Freien standesamtlich heiraten?
Ja. Das Standesamt kann auch außerhalb der Amtsräume trauen, wenn die Standesbeamtin das für angemessen hält. Dafür fallen 54,50 Euro Verwaltungsabgabe plus die Zuschläge der jeweiligen Stadt an. Eine Trauung unter freiem Himmel ist also nicht automatisch eine freie Trauung.