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Heiraten am See

Ein Holzsteg, der ins Wasser führt, am Ende zwei kurze Stuhlreihen, dahinter nur See und bewaldete Hänge. Kaum ein Ort trägt eine Zeremonie mit so wenig Aufwand - vorausgesetzt, das Wasser ist wirklich dort, wo es auf den Bildern aussieht.

Holzsteg über türkisfarbenem Wasser, am Ende zwei kurze Stuhlreihen, links ein weißes Badehaus mit Türmchen, dahinter bewaldete Hänge.

Kurz zusammengefasst

  • Das Wasser macht die Kulisse - am Ufer braucht es kaum Deko
  • „Eigener Steg" und „direkt am Ufer" sind Zusagen, „Seeblick" ist keine
  • Die meisten Häuser mit eigenem Ufer stehen in Kärnten
  • Auf dem Bodensee traut der Standesamtsverband Bregenz auch am Schiff
  • Ob am Ufer getraut werden darf, entscheidet die Gemeinde, nicht das Haus
  • Öffentliche Uferabschnitte bleiben öffentlich - klärt die Exklusivität
  • Juli und August konkurrieren mit dem Tourismus, Mai und September sind ruhiger

Am Steg, mit dem Wasser im Rücken

Ein See nimmt der Zeremonie die halbe Arbeit ab. Es gibt keinen Hintergrund zu bauen, keine Wand zu kaschieren, keine Blickachse zu erfinden - das Wasser liegt da und macht die Weite von selbst. Deshalb sehen Trauungen am Steg fast immer gut aus, auch wenn nur zwei kurze Stuhlreihen daraufpassen.

Dazu kommt das Licht. Wasser wirft es zurück, und zwar den ganzen Tag anders: hart und blau am Mittag, flach und warm eine Stunde vor dem Untergehen. Wer die Zeremonie in den späten Nachmittag legt, bekommt die Bilder, wegen denen er sich für den See entschieden hat.

Wie weit es wirklich zum Wasser ist

Die einzige Angabe, auf die ihr euch verlassen könnt, ist der Wortlaut des Betriebs. „Direkt am Ufer", „eigener Seezugang", „unser Steg", „auf der Insel" sind Zusagen. „Seeblick", „in Seenähe" und ein Ortsname mit See sagen nichts über die Entfernung - die kann zwanzig Meter betragen oder einen Fußmarsch mit Brautkleid.

Wie groß der Unterschied wird, zeigt ein einziger Satz auf der Seite der Naturel Hoteldörfer am Faaker See: Die Zeremonie findet „right on the lakeshore" im Dorf SEELEITN statt - oder „on the inviting village square" im Dorf SCHÖNLEITN. Ein Betreiber, eine Region, ein Prospekt. Nur eines der beiden steht am Wasser.

Der umgekehrte Fall ist genauso häufig: Häuser mit dem allerschönsten Blick, aber ohne Zugang. Das Gmundnerberghaus liegt auf 822 Metern über dem Traunsee, das Burgrestaurant Gebhardsberg hoch über dem Bodensee. Wer den Blick will, ist dort richtig - wer die Füße ins Wasser halten will, sucht bei den Berglocations am falschen Ort.

Sommerfrische, seit hundertfünfzig Jahren

Die meisten Häuser mit eigenem Ufer stehen in Kärnten - am Wörthersee, am Faaker See und am Millstätter See. Das ist kein Zufall der Landkarte, sondern Baugeschichte: Die Kärntner Hotellerie hat seit dem 19. Jahrhundert unmittelbar ans Wasser gebaut, und was heute Hochzeitslocation heißt, war oft schon Sommerfrische, als es das Wort noch nicht gab.

Das Werzers Badehaus in Pörtschach ist dafür das deutlichste Beispiel: ein historisches Badehaus unmittelbar am Wasser, in dem heute standesamtlich getraut wird. Die See-Villa in Millstatt, 1884 erbaut, traut am Seeufer unter den Linden.

Die Sonderform sind die Inseln. Das Inselhotel Faakersee liegt auf einer Insel im Faaker See, die Orther Stubn im Seeschloss Ort auf einer Insel im Traunsee. Dort ist der Bootstransfer Teil der Hochzeit - mit allem, was das für Zeitplan, hohe Absätze und Regenschirme heißt.

Heiraten auf dem Wasser statt daneben

Ein Schiff ist die konsequenteste Antwort auf die Seefrage, und in Vorarlberg ist sie amtlich gedeckt: Der Standesamtsverband Bregenz führt Sondertrauungen unter anderem auf den Schiffen der Vorarlberg Lines durch. Sechs Schiffe stehen zur Miete, darunter MS Sonnenkönigin, MS Austria und MS Vorarlberg.

Ein Detail daran ist für die Kalkulation wichtiger, als es klingt: Die Kosten für solche Sondertrauungsorte werden mit dem jeweiligen Eigentümer vereinbart, nicht nach einer Gebührentabelle verrechnet. Ihr verhandelt hier also zwei Dinge getrennt - die Amtshandlung mit dem Standesamt und den Ort mit der Reederei.

Wem das Ufer gehört

Am Wasser gilt dieselbe Regel wie überall in Österreich: Ob der Standesbeamte aus dem Amtsgebäude herauskommt, entscheidet die Gemeinde, in deren Sprengel der Ort liegt. Ein Seeufer ist dafür kein Sonderfall, auch wenn es sich so anfühlt. Schreibt ein Haus nichts zur Trauung vor Ort, heißt das nicht nein - es heißt, dass ihr fragen müsst.

Ein zweiter Punkt kommt hier dazu, den es im Weingarten nicht gibt: Öffentliche Uferabschnitte bleiben öffentlich. Ein Badestrand gehört am Hochzeitstag nicht automatisch euch, und im Juli liegen dort Leute. Klärt deshalb nicht nur, ob am Ufer getraut werden darf, sondern auch, welcher Abschnitt für euch reserviert ist.

Der See hat eine kurze Saison

Seehäuser stehen im Hochsommer in direkter Konkurrenz zum Tourismus. Das merkt man an zwei Stellen: an der Verfügbarkeit, weil Zimmer und Terrassen im Juli und August ohnehin ausgelastet sind, und am Preis. Viele Uferbetriebe sperren umgekehrt im Winter zu, was die nutzbare Saison zusätzlich verkürzt.

Der brauchbarste Kompromiss sind die späten Maiwochen und der frühe September - warm genug fürs Ufer, außerhalb der Hauptsaison. Fragt bei der Anfrage direkt nach der Preisstaffel nach Monaten; wo es sie gibt, wird sie selten von selbst genannt.

Was ihr vor der Besichtigung klärt

  1. Wie viele Meter sind es vom Trauungsplatz bis zum Wasser?
  2. Gehört das Ufer zum Haus, oder ist es öffentlich zugänglich?
  3. Hat eure Gemeinde der Trauung am Ufer zugestimmt?
  4. Was ist der Plan bei Regen - und wie weit ist er vom Wasser weg?
  5. Gibt es eine Preisstaffel nach Monaten?
  6. Bei Inseln: Wer organisiert den Bootstransfer, und wie lange dauert er für alle Gäste?

Locations am See in Österreich

Häuser, die selbst Ufer, Steg, Insel oder einen eigenen Badesee nennen - Seeblick allein steht hier nicht. Gästezahl, Trauung vor Ort und Übernachtung stehen so, wie die Betriebe sie angeben; bei Räumen am Wasser lohnt zusätzlich die Frage nach dem Schlechtwetterplan und wie weit der vom See entfernt ist.

Hochzeitslocations am See in Österreich
Location Ort Bundesland Gäste Trauung vor Ort Übernachtung
das Fritz Weiden am See Burgenland 150 - -
Das Grafengut 4865 Nussdorf am Attersee Oberösterreich 130 standesamtlich ja
Das Haidensee 9556 Glanegg Kärnten - - -
DasSee 4101 Feldkirchen an der Donau Oberösterreich 200 - -
Hotel Karnerhof 9580 Drobollach am Faaker See Kärnten 120 standesamtlich ja
Hotel Schloss Leonstain 9210 Pörtschach am Wörthersee Kärnten 500 - ja
Hotel See-Villa Tacoli 9872 Millstatt am See Kärnten 160 standesamtlich ja
Inselhotel Faakersee 9583 Faak am See Kärnten - standesamtlich ja
Naturel Hoteldorf SEELEITN 9583 Faak am See Kärnten 130 standesamtlich ja
Orther Stubn im Seeschloss Ort 4810 Gmunden Oberösterreich 150 standesamtlich -
Schloss Maria Loretto Klagenfurt am Wörthersee Kärnten - kirchlich, frei -
Schloss Mattsee Mattsee Salzburg - standesamtlich, frei -
ST. MARTINS Therme & Lodge 7132 Frauenkirchen Burgenland - - ja
Vorarlberg Lines, Schiffscharter Bregenz Vorarlberg - standesamtlich -
Werzers Badehaus Pörtschach 9210 Pörtschach am Wörthersee Kärnten 450 standesamtlich ja

Die Gästezahl ist überall die höchste, die der Betrieb selbst nennt. Ein Strich heißt: Der Betrieb macht dazu keine Angabe. Fragt in dem Fall direkt nach - die Antwort entscheidet oft, ob ein Haus überhaupt in Frage kommt.

Häufige Fragen

Woran erkenne ich, ob eine Location wirklich am See liegt?
Am Wortlaut des Betriebs, nicht am Namen. „Seeblick", „in Seenähe" und ein Ortsname mit See sagen nichts über die Entfernung zum Wasser. Belastbar sind nur Formulierungen wie „direkt am Ufer", „eigener Seezugang", „unser Steg" oder „auf der Insel". Ein Beispiel für den Unterschied: Die Naturel Hoteldörfer am Faaker See gehören demselben Betreiber, aber die Zeremonie findet im Dorf SEELEITN am Seeufer statt und im Dorf SCHÖNLEITN auf dem Dorfplatz.
Wo in Österreich gibt es die meisten Hochzeitslocations direkt am See?
In Kärnten, vor allem am Wörthersee, am Faaker See und am Millstätter See. Das liegt an der Dichte der Seen und daran, dass die Kärntner Hotellerie seit dem 19. Jahrhundert unmittelbar ans Ufer gebaut hat - viele Häuser waren Sommerfrische, lange bevor jemand von Hochzeitslocations sprach. Das Werzers Badehaus in Pörtschach und die 1884 erbaute See-Villa in Millstatt sind zwei davon.
Kann man in Österreich auf einem Schiff heiraten?
Ja. Der Standesamtsverband Bregenz führt Sondertrauungen unter anderem auf den Schiffen der Vorarlberg Lines durch; sechs Schiffe stehen zur Miete, darunter MS Sonnenkönigin, MS Austria und MS Vorarlberg. Die Kosten für solche Sondertrauungsorte werden mit dem jeweiligen Eigentümer vereinbart, nicht über eine Gebührentabelle abgerechnet.
Darf am Seeufer standesamtlich getraut werden?
Nicht automatisch. Ob eine Trauung außerhalb des Amtsgebäudes stattfinden darf, entscheidet die Gemeinde, in deren Sprengel der Ort liegt - beim Seeufer genauso wie im Weingarten. Dazu kommt am Wasser eine Frage, die es sonst nicht gibt: Öffentliche Uferabschnitte bleiben öffentlich. Fragt deshalb zweimal, beim Haus und beim zuständigen Standesamt, und klärt zusätzlich, ob der Uferabschnitt am Hochzeitstag exklusiv verfügbar ist.
Wie viele Gäste passen in eine Location am See?
Das geht weit auseinander, weil hier Schiffe, Inselhotels und Resorts nebeneinanderstehen. Werzers in Pörtschach fasst im Café-Restaurant bis zu 450 Personen, das Badehaus am Ufer dagegen 80 im Westflügel und 40 in der Säulenhalle. Fragt immer nach dem konkreten Raum, nicht nach dem Haus.
Wann ist die beste Zeit für eine Hochzeit am See?
Die Saison ist kürzer, als sie aussieht. Seehäuser haben im Hochsommer die höchste Auslastung und die höchsten Preise, weil sie mit dem Tourismus konkurrieren, und viele Uferbetriebe sperren im Winter zu. Der verlässlichste Kompromiss sind späte Mai- und frühe Septemberwochen: warm genug fürs Ufer, außerhalb der Hauptsaison.