Die Diamantene Hochzeit
Sechzig Jahre - und für viele Familien das letzte große Fest dieser Art. In Graz merkt man das an einem Detail: Nach der Diamantenen lädt die Stadt nicht mehr ins Rathaus, sondern kommt ins Haus. In Tirol ist es zugleich das Jubiläum mit der höchsten Gabe, die das Land überhaupt zahlt.
Kurz zusammengefasst
- Die Diamantene Hochzeit ist das 60. Ehejubiläum - hier sind sich alle Quellen einig
- Tirol zahlt 1.000 Euro, Wien 500, das Burgenland 220
- Tirol verlangt dafür 25 Jahre Wohnsitz im Land, Oberösterreich drei
- Wien meldet man 4 bis 6 Wochen vorher an, Tirol bis ein Jahr danach
- In Graz ist es die letzte Ehrung im Festakt - ab 65 Jahren kommt der Hausbesuch
- Danach folgen Eiserne (65), Steinerne (67½) und Gnadenhochzeit (70)
Sechzig Jahre, und zwar überall
Bei der Diamantenen Hochzeit gibt es die Verwirrung nicht, die andere Jubiläen begleitet. Sechzig Ehejahre - darauf einigen sich oesterreich.gv.at, die Länder und auch die deutschen Listen. Wer nach diesem Jubiläum sucht, muss nichts nachrechnen.
Das ist bei den Nachbarjubiläen anders: Die Eiserne Hochzeit liegt in Österreich bei 65 Jahren, in manchen deutschen Quellen bei 70. Wer eine Einladung schreibt oder eine Ehrung beantragt, sollte deshalb bei den späteren Jubiläen genauer hinsehen - bei der Diamantenen nicht.
Der Name folgt der Logik der ganzen Reihe: Je länger die Ehe, desto härter das Material. Nach Silber und Gold kommt mit dem Diamanten der härteste natürlich vorkommende Stoff überhaupt, danach Eisen und Stein.
Wer heuer feiert
Wer 2026 die Diamantene Hochzeit begeht, hat 1966 geheiratet. Die meisten dieser Paare sind heute Anfang bis Mitte achtzig - ein Alter, in dem viele noch selbst kochen, Auto fahren und ihre Feier ohne fremde Hilfe organisieren.
Genau das unterscheidet dieses Jubiläum vom nächsten. Bei der Diamantenen Hochzeit richtet meist noch das Paar selbst aus, bei der Eisernen übernehmen fast immer die Kinder. Wer als Familie plant, sollte das ernst nehmen und fragen, statt zu organisieren - viele Jubelpaare empfinden es als Bevormundung, wenn ihnen das Fest aus der Hand genommen wird.
Das Jubiläum mit der höchsten Tiroler Gabe
In Österreich hängt am Ehejubiläum vielerorts eine Leistung, die im Landesbudget steht - das ist der Unterschied zu Deutschland, wo es meist bei der Urkunde bleibt. Für sechzig Jahre sieht es so aus:
| Land oder Stadt | Was es zur Diamantenen Hochzeit gibt |
|---|---|
| Tirol | 1.000 Euro Jubiläumsgabe und Urkunde des Landeshauptmanns |
| Wien | 500 Euro Anerkennungsgabe, danach Jause im Rathaus |
| Burgenland | 220 Euro Ehrengabe über die Gemeinde |
| Graz | Ehrung im Rahmen eines Festakts |
| Oberösterreich | Urkunde und Glückwunschschreiben |
| Vorarlberg | Gratulationsschreiben des Landes |
Tirol zahlt hier am meisten, und die Bedingungen sind entsprechend streng: Beide Eheleute brauchen die österreichische Staatsbürgerschaft, und das Paar muss seit mindestens 25 Jahren gemeinsam in Tirol wohnen. Dafür ist die Frist komfortabel - der Antrag kann noch bis zu ein Jahr nach der Jubelhochzeit bei der Wohnsitzgemeinde gestellt werden. Die Urkunde unterschreibt der Landeshauptmann.
Wien zahlt nach übereinstimmenden Medienberichten 500 Euro - die Stadt bestätigt in ihrem Amtshelfer das Jubiläum und die Anerkennungsgabe, nicht aber deren Höhe. Sie verlangt dafür nur den Hauptwohnsitz ohne Mindestdauer - dazu die österreichische Staatsbürgerschaft. Der Haken ist die Frist: Angemeldet wird vier bis sechs Wochen vor dem Festtag, bei der Bezirksvorstehung oder online. Wer erst danach daran denkt, hat den Anspruch verpasst. Nach der Übergabe der Anerkennungsgabe folgt eine Einladung zur Jause ins Rathaus.
In Oberösterreich gab es zur Diamantenen Hochzeit bis 2017 noch 400 Euro. Mit 1. Jänner 2018 hat das Land seine Jubiläumsgaben gestrichen und spart damit rund eine Million Euro im Jahr; geblieben sind Urkunde und Glückwunschschreiben. Vorarlberg ging denselben Weg 2025. Wer sich also an eine Geldgabe bei den Eltern erinnert, erinnert sich richtig - sie gibt es dort nur nicht mehr.
Der letzte Festakt
Ein Detail aus Graz, das mehr über dieses Jubiläum sagt als jede Brauchtumserklärung: Die Stadt ehrt ihre Jubelpaare zur Goldenen und zur Diamantenen Hochzeit im Rahmen eines Festakts - die Paare kommen also zur Stadt. Ab der Eisernen Hochzeit dreht sich das um: Dann kommt die Stadt mit Geschenkkorb und Blumenstrauß zum Hausbesuch.
Die Diamantene Hochzeit ist damit auch verwaltungstechnisch die letzte, bei der selbstverständlich angenommen wird, dass ein Paar noch mobil ist. Wer seine Feier plant, kann sich daran orientieren: Ein Fest außer Haus ist bei sechzig Jahren meist noch gut möglich, ein Fest mit Anreise, Stufen und langem Abend sollte man trotzdem zweimal durchdenken.
Das Fest, das noch groß sein darf
Bei sechzig Jahren ist die Familie in aller Regel vierstufig - Kinder, Enkel, Urenkel - und damit größer, als die meisten Wohnzimmer fassen. Das ist die eigentliche Planungsfrage.
Bewährt hat sich ein Mittagessen im Gasthaus statt einer Abendfeier: Alle Generationen können kommen, die kleinen Kinder sind noch ausgeglichen, und das Jubelpaar ist am Nachmittag wieder zu Hause. Wer einen Saal sucht, achtet auf ebenerdigen Zugang, kurze Wege zur Toilette und eine Akustik, in der man sich ohne Anstrengung unterhalten kann - Letzteres wird regelmäßig unterschätzt und entscheidet, ob die Gefeierten den Tag genießen oder aussitzen.
Eine kirchliche Segnung lässt sich fast überall in eine reguläre Messe einbetten. Das ist der unaufwendigste Weg und für viele Paare der eigentliche Kern des Tages. Der Termin sollte früh mit der Pfarre abgestimmt werden.
Der Jahrestag der Trauung und der Tag der Feier müssen nicht zusammenfallen - und für die Wiener Anmeldung zählt der Festtag. Legt die Feier ruhig auf ein Wochenende in der Nähe des Datums und meldet dann diesen Tag an.
Was man schenkt
Anders als bei der Eisernen Hochzeit ist bei sechzig Jahren noch vieles möglich, was Aufwand bedeutet - eine Reise, ein Ausflug, ein Konzertbesuch. Die Frage ist eher, was das Paar noch will als was es noch kann.
- Ein gemeinsamer Ausflug an einen Ort mit Geschichte für die beiden - die Hochzeitsreise-Destination, der erste gemeinsame Wohnort.
- Ein Fotobuch aus sechs Jahrzehnten Familienalben. Aufwendig zu machen, dafür das Geschenk, an das sich alle erinnern.
- Etwas für den Alltag, das wirklich benutzt wird - gutes Bettzeug, ein bequemer Sessel, ein Gutschein fürs Stammlokal.
- Der Beitrag zur Feier. Wenn das Paar selbst einlädt, ist die Übernahme der Kosten oft das dankbarste Geschenk der Kinder.
Schmuck mit Diamant liegt nahe und ist selten die beste Idee: Er ist teuer, trifft den Geschmack oft nicht und wird in diesem Alter kaum noch getragen. Wenn Schmuck, dann eher das alte Stück neu fassen oder reinigen lassen - das hat einen Bezug, den ein neues Stück nicht hat.
Häufige Fragen
- Wie viele Jahre ist die Diamantene Hochzeit?
- Sechzig Jahre. Bei diesem Jubiläum sind sich alle Quellen einig - anders als bei der Eisernen Hochzeit, die in Österreich bei 65 und in manchen deutschen Listen bei 70 Jahren steht. Nach der Diamantenen folgen die Eiserne (65), die Steinerne (67½) und die Gnadenhochzeit (70).
- Was bekommt man in Österreich zur Diamantenen Hochzeit?
- Das hängt stark vom Bundesland ab. Tirol zahlt 1.000 Euro, Wien 500 Euro und lädt anschließend zur Jause ins Rathaus, das Burgenland 220 Euro. Oberösterreich und Vorarlberg überreichen Urkunde beziehungsweise Gratulationsschreiben ohne Geldleistung. In Graz gibt es eine Ehrung im Rahmen eines Festakts.
- Wie beantragt man die Ehrung zur Diamantenen Hochzeit?
- Über die Wohnsitzgemeinde. Die Fristen unterscheiden sich deutlich: Wien nimmt die Anmeldung vier bis sechs Wochen vor dem Festtag entgegen, in Tirol kann der Antrag noch bis zu ein Jahr nach dem Jubiläum gestellt werden. Im Burgenland melden die Gemeinden von sich aus. Gebraucht werden meist Heiratsurkunde, Meldebestätigung und Staatsbürgerschaftsnachweis.
- Warum heißt sie Diamantene Hochzeit?
- Der Diamant steht für Härte und Unzerstörbarkeit - er ist das härteste natürlich vorkommende Material. Die Namen der Hochzeitstage folgen dieser Logik: Je länger die Ehe, desto beständiger das Material. Nach Silber (25) und Gold (50) kommen mit Diamant, Eisen und Stein Stoffe, die sich kaum noch abnutzen.
- Muss man in Tirol lange dort gewohnt haben?
- Ja, das ist die strengste Bedingung Österreichs: Die Tiroler Jubiläumsgabe setzt einen gemeinsamen Wohnsitz in Tirol seit mindestens 25 Jahren voraus, dazu die österreichische Staatsbürgerschaft beider Eheleute. Oberösterreich verlangt dagegen nur drei Jahre Wohnsitz, Wien den Hauptwohnsitz ohne Mindestdauer.