Die Winterhochzeit
Kerzen in einer verschneiten Kapelle, warmes Licht, Tannengrün auf langen Tafeln - der Winter macht Bilder, die kein Sommertag hergibt. Er nimmt euch dafür etwas weg, das die Planung von Grund auf verändert: Am 21. Dezember ist es in Wien um kurz nach vier dunkel.
Kurz zusammengefasst
- Zur Wintersonnenwende ist es in Wien um 16:04 Uhr dunkel, in Bregenz um 16:33
- In Alpentälern nimmt der Bergschatten das Licht noch früher
- Die Trauung gehört auf 11 oder 12 Uhr, nicht auf 15 Uhr
- Standesämter trauen im Winter meist nur drinnen
- Heizung, Kerzen und Blumen außer Saison fressen die Nebensaison-Ersparnis teilweise auf
- Grün, Zweige und Kerzen statt Blüten - das ist kein Notbehelf, sondern der Stil
Das Licht ist um vier vorbei
Der Winter ist die Jahreszeit mit dem schönsten Licht und der wenigsten davon. Wie wenig, unterschätzen fast alle Paare - hier die gerechneten Zeiten für den 21. Dezember:
| Ort | Sonnenaufgang | Sonnenuntergang | Tageslänge |
|---|---|---|---|
| Wien | 07:43 | 16:04 | 8 Stunden 20 Minuten |
| Innsbruck | 07:59 | 16:28 | 8 Stunden 28 Minuten |
| Bregenz | 08:07 | 16:33 | 8 Stunden 26 Minuten |
Zwei Einschränkungen gehören dazu, und beide machen es eher schlimmer. Erstens sind das Werte für den freien Horizont - in einem Tiroler oder Vorarlberger Tal steht die Sonne lange vor diesem Zeitpunkt hinter dem Berg, und das Licht wird flach und blau. Zweitens ist der Sonnenuntergang nicht das Ende der Fotos, sondern deren letzter brauchbarer Moment: Die gute Stunde liegt davor.
Praktisch heißt das: Im Dezember endet die brauchbare Fotozeit gegen 15 Uhr. Danach fotografiert ihr mit Kunstlicht, was möglich ist und anders aussieht.
Der Zeitplan dreht sich um
Ein Sommerablauf beginnt am Nachmittag: Trauung um 15 oder 16 Uhr, Agape im Abendlicht, Essen um acht. Übertragt das auf den Dezember, und ihr kommt im Dunkeln aus der Kirche.
Der Winterablauf verschiebt alles um drei bis vier Stunden nach vorn:
- 11 oder 12 Uhr Trauung. Danach bleiben zwei bis drei helle Stunden.
- Direkt danach Gruppenfotos, solange es hell ist - nicht nach dem Essen, wie im Sommer üblich.
- Paarshooting zwischen 13 und 15 Uhr. Das ist im Dezember die goldene Stunde, nicht der Abend.
- Agape ab 14 Uhr, drinnen oder mit Heizstrahlern.
- Essen ab 17 oder 18 Uhr. Es ist dann längst dunkel, was dem Abend guttut - Kerzenlicht wirkt erst, wenn es draußen schwarz ist.
Der Nebeneffekt ist angenehm: Der Abend beginnt früher und dauert länger. Wer um 18 Uhr isst, tanzt ab neun - im Sommer wird es dann erst dunkel.
Wenn ihr im Dezember heiratet, gehört die Lichtfrage ins erste Gespräch mit dem Fotografen - vor dem Angebot. Eine Ganztagsbegleitung ab 14 Uhr ist im Winter fast wertlos, weil die Hälfte davon in Dunkelheit fällt. Die Stunden gehören nach vorn.
Was draußen noch geht
Die verschneite Trauung unter freiem Himmel ist das Bild, das viele zum Winter bringt - und der Teil, der am häufigsten nicht klappt.
Standesamtlich ist es meist keine Option: Viele Ämter bieten Außentrauungen nur in den warmen Monaten an. Eisenstadt etwa gibt den Leopoldinentempel ausdrücklich nur von Mai bis September frei. Ob am Wunschort überhaupt außerhalb des Amtsgebäudes getraut wird, entscheidet ohnehin die Gemeinde - siehe Trauung im Freien.
Bei einer freien Trauung liegt die Entscheidung bei euch, und dann gilt die einfache Regel: zwanzig Minuten. So lange stehen Gäste bei zwei Grad ohne Mantel durch, und ohne Mantel stehen sie, weil sie auf den Fotos gut aussehen wollen. Länger, und die Hälfte friert sichtbar.
Was gut funktioniert: die Zeremonie drinnen, der Sektempfang draußen mit Heizstrahlern und Decken, die Fotos im Schnee. Zehn Minuten in der Kälte für Bilder machen alle mit - eine Stunde nicht.
Wärme ist keine Nebensache
Der Posten, der im Sommer nicht existiert und im Winter über den Abend entscheidet. Vier Fragen an die Location, die vor der Zusage geklärt sein sollten:
- Ist der Raum beheizbar, und wer bezahlt das Heizen? Bei Scheunen, Gewölben und Almhütten ist beides nicht selbstverständlich, und die Heizkosten werden manchmal separat verrechnet.
- Wie lange braucht der Raum, um warm zu werden? Ein Steingewölbe heizt sich nicht in zwei Stunden auf. Manche Häuser beginnen einen Tag vorher.
- Gibt es eine Garderobe? Hundert Mäntel brauchen Platz, und ohne Garderobe hängen sie über Sesseln.
- Wie kommen die Gäste her? Schnee, Eis und Bergstraßen. Bei Locations in Höhenlage gehört die Zufahrt zur Planung, nicht zur Hoffnung.
Für Gäste heißt es umgekehrt: Ein Hinweis auf der Einladung, dass es draußen Programmpunkte gibt, erspart später frierende Menschen in Cocktailkleidern.
Kerzen tragen den Abend
Im Winter kommt die Stimmung nicht von der Deko, sondern vom Licht - und zwar von sehr viel mehr Licht, als die meisten einplanen. Ein Raum, der um 17 Uhr dunkel ist, braucht Kerzen in einer Menge, die auf der Einkaufsliste erst mal erschreckt.
Was dabei zählt:
- Viele kleine Lichter statt weniger großer. Teelichter und Stabkerzen in Gruppen wirken deutlich wärmer als einzelne dicke Kerzen.
- Warme Lichtfarbe. Lichterketten in Kaltweiß machen jeden Raum ungemütlich. Achtet auf warmweiß, und schaltet das Deckenlicht am Abend ganz ab.
- Grün statt Blüten. Tannenzweige, Eukalyptus, Efeu und Zweige sind im Winter verfügbar und passen zum Licht. Was sonst geht, steht bei den Blumen nach Saison.
- Brandschutz klären. Nicht jede Location erlaubt offenes Feuer, und in Holzscheunen fast nie. Fragt danach, bevor ihr zweihundert Teelichter kauft.
Advent, Feiertage und freie Termine
Der Winter ist Nebensaison, und das ist sein größter praktischer Vorteil: Locations, Fotografen und Musik sind verfügbar, wo im Juni seit einem Jahr alles vergeben ist - und oft zu besseren Konditionen.
Zwei Zeiträume sind trotzdem heikel. Im Advent konkurriert ihr mit Weihnachtsfeiern um dieselben Säle und dasselbe Personal; Ende November bis Weihnachten sind Gasthäuser oft voller als im Sommer. Und rund um die Feiertage haben viele Gäste eigene Verpflichtungen - eine Hochzeit am 27. Dezember konkurriert mit der Familie.
Die ruhigsten und günstigsten Termine liegen im Jänner und Februar. Dort ist die Auswahl am größten, das Licht schon wieder etwas länger, und Schnee wahrscheinlicher als im Dezember.
Häufige Fragen
- Wann wird es bei einer Winterhochzeit in Österreich dunkel?
- Zur Wintersonnenwende geht die Sonne in Wien um kurz nach 16 Uhr unter, in Innsbruck und Bregenz gegen halb fünf. Das sind Werte für den freien Horizont - in Alpentälern nimmt der Bergschatten das Licht deutlich früher. Für Fotos heißt das: Die brauchbare Zeit endet im Dezember gegen 15 Uhr.
- Wann sollte die Trauung im Winter stattfinden?
- Deutlich früher als im Sommer - 11 oder 12 Uhr statt 15 oder 16 Uhr. Wer im Dezember um 15 Uhr traut, kommt gegen 16 Uhr aus der Kirche und hat für Gruppen- und Paarfotos kein Tageslicht mehr. Bei einem Mittagstermin bleiben zwei bis drei helle Stunden für Fotos und Agape.
- Ist eine Winterhochzeit günstiger?
- Oft ja, weil Nebensaison ist. Locations, Fotografen und Musik sind leichter verfügbar und verhandelbarer als an einem Sommersamstag. Die Ersparnis wird aber teilweise aufgefressen: Heizung, mehr Kerzen und Licht sowie Blumen außerhalb der Saison kosten zusätzlich.
- Kann man im Winter draußen heiraten?
- Standesamtlich meist nicht - viele Ämter bieten Außentrauungen nur in den warmen Monaten an, Eisenstadt etwa gibt den Leopoldinentempel ausdrücklich nur von Mai bis September frei. Für eine freie Trauung im Freien gilt: möglich, aber kurz halten. Zwanzig Minuten bei zwei Grad sind für Gäste ohne Mantel die Obergrenze.
- Welche Blumen gibt es im Winter?
- Aus heimischem Freiland fast nichts. Was funktioniert, ist Grün - Tannenzweige, Eukalyptus, Efeu - dazu Trockenblumen, Zweige und Beeren. Frische Ranunkeln und Tulpen sind ab Jänner aus Gewächshäusern erhältlich. Wer im Dezember heiratet, plant mit Grün und Kerzen statt mit Blüten.