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Heiraten in Tracht

In Österreich ist die Trachtenhochzeit kein Kostümfest, sondern eine von zwei selbstverständlichen Möglichkeiten. Sie bringt sogar einen Moment mit, den es im Brautkleid nicht gibt: Nach dem Ja-Wort wandert die Schleife von links nach rechts.

Brautpaar in Tracht vor einer Almhütte, die Braut im hellen Dirndl, der Bräutigam im Trachtenanzug.

Kurz zusammengefasst

  • Vor der Trauung wird die Schleife links gebunden, danach rechts
  • Diese Symbolik ist verbreitet, aber historisch nicht belegt
  • Das Brautdirndl muss nicht weiß sein - traditionell war es das Sonntagsdirndl
  • Weiß bleibt trotzdem der Braut vorbehalten, auch bei Gästen im Dirndl
  • Der Trachtenanzug wirkt formeller als die Lederhose und passt auch in die Kirche
  • Von der Stange zwei bis drei Monate Vorlauf, maßgefertigt ein halbes Jahr

Die Schleife wandert

Die Dirndlschleife sagt, ob eine Frau vergeben ist - und bei einer Hochzeit wird daraus ein kleines Ritual. Die Braut bindet vor der Trauung links und lässt die Schleife danach auf rechts umbinden, oft von der Trauzeugin oder der Mutter, manchmal direkt vor der Kirche. Es dauert dreißig Sekunden und ist eines der schönsten Fotos des Tages.

SchleifeBedeutungAnmerkung
Linksledigdie Seite, auf der die Braut bis zur Trauung bindet
Rechtsvergeben oder verheiratetnach dem Ja-Wort wird umgebunden
Hintenverwitwet - oder Bedienungim Wirtshaus die übliche Deutung
Vorne mittigKind oder Jungfrauheute kaum noch gebräuchlich

Eine Einordnung, die selten dazugesagt wird: Diese Zuordnung ist historisch nicht belegt. Die Trachtenhändler, die sie verbreiten, räumen selbst ein, dass die Verbindung von Schleifenseite und Beziehungsstatus nicht gut fundiert und vermutlich jüngeren Datums ist. Eine der kursierenden Erklärungen - der Mann ging links neben seiner Frau - ist ebenfalls nicht dokumentiert.

Für die Hochzeit ändert das nichts. Die Regel wird heute überall gelesen und befolgt, und ein Brauch, der jung ist, ist immer noch ein Brauch. Wer ihn schön findet, nimmt ihn mit; wer nicht, bindet, wo es ihm gefällt.

Muss das Brautdirndl weiß sein?

Nein - und interessanterweise widerspricht Weiß sogar der älteren Tradition. Ein Brautdirndl war früher schlicht das gute Sonntagsdirndl, oft in Grün, Blau oder Schwarz, mit einer besonderen Schürze. Es war das beste Kleidungsstück im Schrank, nicht ein eigens gekauftes.

Heute entscheiden sich viele Bräute für Weiß oder Creme, angelehnt an das klassische Brautkleid, und das ist völlig üblich geworden. Ebenso beliebt sind Pastelltöne und die klassischen Trachtenfarben - Lodengrün, Dunkelblau, Schwarz mit heller Schürze.

Was bleibt: Weiß gehört der Braut. Diese Regel gilt beim Dirndl genauso wie beim Kleid - ein weißes Gastdirndl ist derselbe Fauxpas wie ein weißes Gastkleid. Wer Gäste in Tracht einlädt, kann das auf der Einladung gleich dazuschreiben.

Was der Bräutigam trägt

Zwei Wege, und sie unterscheiden sich in der Formalität deutlich mehr, als man von außen denkt.

Die Lederhose mit Trachtenhemd, Weste und Janker ist die lockerere Variante. Sie passt zur Alm, zum Wirtshaus, zur Feier im Freien - und sie ist bequem, was bei einem zwölfstündigen Tag zählt. In einer barocken Stadtkirche wirkt sie dagegen schnell unterangezogen.

Der Trachtenanzug mit Stehkragen, aus Loden, Leinen oder feinem Wollstoff, ist das Gegenstück zum Anzug. Er funktioniert überall, wo auch ein Anzug funktionieren würde - Kirche, Schloss, Stadthochzeit - und bleibt trotzdem Tracht. Für Bräutigame, die es formell wollen und trotzdem keine Krawatte tragen möchten, ist er die naheliegendste Lösung.

Abgestimmt wird zwischen beiden nicht über die Farbe, sondern über die Formalität: Ein Seidendirndl neben einer kurzen Lederhose passt schlechter zusammen als zwei schlichte Stücke.

Einigt euch auf die Stufe, nicht auf die Farbe

Der häufigste Fehler bei Paar-Outfits ist ein Ungleichgewicht in der Förmlichkeit. Legt zuerst fest, wie festlich der Tag wird - und wählt dann beide auf dieser Stufe. Farbliche Abstimmung ist danach eine Kleinigkeit.

Tracht für die Gäste

In Österreich braucht es dafür keine Überzeugungsarbeit - die meisten haben etwas im Schrank. Wenn ihr Tracht wünscht, schreibt es auf die Einladung, und zwar als Wunsch, nicht als Pflicht: Nicht jeder besitzt ein Dirndl, und niemand soll für einen Tag hundert Euro ausgeben müssen.

Zwei Hinweise, die Ärger ersparen:

  • Kein Weiß, auch nicht als Dirndlschürze in Weiß zu weißem Oberteil.
  • Gemischt ist in Ordnung. Eine Hochzeit, auf der die Hälfte Tracht und die Hälfte Anzug trägt, sieht in Österreich völlig normal aus. Zwingt niemanden in ein Kostüm.

Was für Gäste sonst gilt, steht beim Outfit als Hochzeitsgast.

Wo Tracht passt und wo nicht

Tracht funktioniert überall dort, wo der Ort sie trägt - und das ist in Österreich fast überall. Besonders selbstverständlich wirkt sie auf Almen und Berghütten, in Wirtshäusern, auf Weingütern und bei Feiern im Freien. Welche Häuser das sind, steht bei den Hochzeitslocations.

Wo es kippt: in sehr formellen, städtischen Rahmen mit Palais-Charakter, bei denen alle anderen Elemente auf klassisch-elegant angelegt sind. Nicht, weil Tracht dort verboten wäre - sondern weil sie dann als Einzelstück wirkt statt als Teil eines Ganzen.

Und ein praktischer Punkt für den Sommer: Ein Dirndl mit Bluse und Schürze ist bei dreißig Grad angenehmer als ein bodenlanges Kleid mit Unterrock, und eine Lederhose schlägt jeden Anzug. Bei einer Winterhochzeit gilt das Umgekehrte: Loden wärmt, wo Tüll nichts hilft.

Kaufen, ändern, Vorlaufzeit

Tracht ist im Vergleich zum Brautkleid entspannt, aber nicht spontan.

  • Von der Stange mit Änderungen: zwei bis drei Monate reichen. Dirndl werden fast immer angepasst - Länge, Mieder, Ausschnitt.
  • Maßgefertigt: rechnet ein halbes Jahr. Für handgearbeitete Trachtenanzüge gilt Ähnliches, teils mehr.
  • Zubehör nicht vergessen: Bluse, Schürze, Schuhe, Strümpfe, Tuch, Schmuck. Beim Dirndl macht die Bluse einen größeren Unterschied als beim Kleid der Schnitt.

Der große Vorteil gegenüber dem Brautkleid: Ein Dirndl wird wieder getragen. Wer es eine Spur weniger bräutlich wählt, hat für die nächsten zwanzig Jahre ein gutes Kleid - und nicht einen Karton im Keller.

Häufige Fragen

Auf welcher Seite trägt die Braut die Dirndlschleife?
Vor der Trauung links, danach rechts. Links steht für ledig, rechts für vergeben oder verheiratet - viele Bräute binden die Schleife deshalb unmittelbar nach dem Ja-Wort um, oft von der Trauzeugin oder der Mutter. Das ist ein schöner kleiner Moment, den es bei einem Brautkleid nicht gibt.
Ist die Bedeutung der Dirndlschleife historisch belegt?
Nein, und das sagen auch die Trachtenhändler selbst: Die Zuordnung von Schleifenseite und Beziehungsstatus ist historisch nicht gut fundiert und vermutlich jüngeren Datums. Praktisch spielt das keine Rolle - heute richten sich alle danach, und im Wirtshaus wird sie zuverlässig gelesen.
Muss ein Hochzeitsdirndl weiß sein?
Nein. Weiße und cremefarbene Brautdirndl sind heute verbreitet, orientiert am klassischen Brautkleid - traditionell war das Brautdirndl aber schlicht das gute Sonntagsdirndl und nicht weiß. Beliebt sind auch Pastelltöne oder klassische Trachtenfarben wie Lodengrün, Dunkelblau und Schwarz.
Was trägt der Bräutigam bei einer Trachtenhochzeit?
Entweder eine Lederhose mit Trachtenweste, Hemd und Janker, oder einen Trachtenanzug mit Stehkragen aus Loden oder Leinen. Der Trachtenanzug wirkt formeller und funktioniert auch in der Kirche und im Schloss; die Lederhose passt zur Alm und zum Wirtshaus.
Dürfen Gäste zur Hochzeit Tracht tragen?
Ja, und in Österreich ist es bei einer Trachtenhochzeit sogar erwünscht - schreibt es einfach auf die Einladung. Für Gäste gilt dieselbe Regel wie sonst: Weiß bleibt der Braut vorbehalten, auch beim Dirndl.
Wie lange vorher braucht man das Brautdirndl?
Weniger lang als ein Brautkleid, aber nicht spontan. Für ein Dirndl von der Stange mit Änderungen reichen zwei bis drei Monate, für ein maßgefertigtes Stück solltet ihr ein halbes Jahr rechnen. Handgearbeitete Trachtenanzüge haben ähnliche Lieferzeiten.