hochzeitsberater.at - Planen. Feiern. Erinnern.

Die Hochzeitskerze

Eine hohe Kerze mit euren Namen und dem Datum, an der Osterkerze entzündet - und Jahre später steht sie zum Hochzeitstag wieder auf dem Tisch. In den Ablaufbeschreibungen der österreichischen Diözesen kommt sie trotzdem nicht vor, und das ist keine Lücke, sondern die Antwort auf die meisten Fragen zu ihr.

Eine verzierte weiße Kerze brennt vor einem hellen Kirchenfenster.

Kurz zusammengefasst

  • Die Hochzeitskerze ist kein vorgeschriebener Teil der katholischen Trauung
  • Im Ablauf der Diözese Innsbruck kommt sie nicht vor - sie ist freiwillig
  • Deshalb entscheidet die Pfarre, ob und wann sie angezündet wird
  • Angezündet wird sie üblicherweise an der Osterkerze
  • Traditionell schenkt sie die Taufpatin oder der Taufpate
  • Sie gehört ins Traugespräch, nicht auf eine Checkliste aus dem Netz

Sie steht in keinem Ablauf

Die Diözese Innsbruck beschreibt den Traugottesdienst Schritt für Schritt - vom Empfang des Brautpaares bis zum Schlussgebet. Der Ablauf sieht so aus:

TeilWas darin vorkommt
EröffnungEmpfang des Brautpaares, Einzug in die Kirche, Begrüßung, Eröffnungsgebet
WortgottesdienstLesungen, Gesänge, Evangelium und Predigt
TrauungBefragung der Brautleute, Segnung der Ringe, Vermählung mit dem Vermählungsspruch, Bestätigung der Vermählung
SegenFeierlicher Trauungssegen, Fürbitten, Vater unser, Schlussgebet

Die Traukerze taucht darin an keiner Stelle auf. Das ist kein Versehen der Diözese: Die Kerze ist kein liturgischer Bestandteil der Trauung. Sie ist ein Symbol, das das Brautpaar mitbringt - so, wie es die Pfarre Katsdorf in ihrer Vorbereitungsliste behandelt, wo sie neben den Ringen steht: Ringe und Traukerze besorgen und sich Gedanken machen, welche Symbole zum Paar passen.

Vergleicht man das mit dem, was zur Trauung tatsächlich vorgeschrieben ist - die Befragung der Brautleute, der Vermählungsspruch, die Bestätigung der Vermählung, der Trauungssegen - wird der Unterschied deutlich. Ohne diese Teile gibt es keine kirchliche Ehe. Ohne Kerze schon.

Was daraus folgt

Drei Dinge, und sie ersparen die meisten Diskussionen im Vorfeld.

Erstens: Es gibt keinen richtigen Zeitpunkt. Wer im Netz liest, die Kerze werde „nach der Predigt“ oder „nach dem Ringtausch“ angezündet, liest eine verbreitete Gewohnheit, keine Vorschrift. Beides ist möglich, und was in eurer Pfarre üblich ist, weiß nur eure Pfarre.

Zweitens: Die Entscheidung liegt nicht bei euch allein. Weil die Kerze kein festgelegter Teil der Feier ist, entscheidet die Pfarre darüber mit - manche binden sie selbstverständlich ein, andere tun es nicht, und in wieder anderen ist offenes Feuer im Altarraum eingeschränkt. Fragt im Traugespräch danach, das ist ohnehin der Termin, bei dem der Ablauf der Liturgie besprochen wird.

Drittens: Die Kerze ist verschiebbar. Wenn sie im Gottesdienst nicht passt, kann sie an einer anderen Stelle des Tages ihren Auftritt haben - beim Empfang, bei der Agape, am Abend an der Tafel. Der Sinn des Symbols hängt nicht am Altarraum.

Die Frage, die ihr stellen solltet

Nicht „wann zünden wir die Kerze an“, sondern „binden Sie die Traukerze bei uns ein, und wenn ja, an welcher Stelle?“ Die erste Frage setzt voraus, was die zweite erst klärt - und aus der zweiten ergibt sich auch, wer sie anzündet und wer sie hält.

Woher das Licht kommt

Die Bedeutung der Kerze hängt an einer anderen Kerze: der Osterkerze, die in jeder katholischen Kirche steht und in der Osternacht geweiht wird. Sie steht für Christus als Licht der Welt. Wird die Hochzeitskerze an ihr entzündet, ist das kein dekorativer Vorgang, sondern eine Aussage - das Licht des Paares kommt nicht aus ihm selbst.

Denselben Bogen schlägt die Verbindung zur Taufkerze, die ebenfalls an der Osterkerze entzündet wurde. Manche Paare bringen ihre Taufkerzen mit und zünden die Hochzeitskerze an beiden an. Das ist eine schöne Klammer über das ganze Leben - und praktisch ein Grund, rechtzeitig bei den Eltern zu fragen, ob die Taufkerzen noch existieren.

In den Segensgebeten, die für diesen Moment gebräuchlich sind, kehrt dasselbe Bild wieder: Die Kerze wird zum Zeichen der Nähe Gottes gesegnet, und wie ihr Licht das Dunkel erhellt, soll das Leben des Paares erhellt werden. Wer die Kerze einbaut, sollte den Text vorher lesen - er entscheidet mehr über die Wirkung des Moments als die Verzierung der Kerze.

Der Moment im Gottesdienst

Wenn die Pfarre die Kerze einbindet, sind zwei Stellen gebräuchlich, und sie sagen Verschiedenes aus.

  • Nach der Predigt, vor der Befragung. Das Licht steht dann am Anfang des Trauungsteils - als Bitte um Beistand für das, was gleich folgt. Diese Variante wirkt ruhiger und lässt der Vermählung selbst den Höhepunkt.
  • Nach der Vermählung. Die Kerze wird zum sichtbaren Zeichen des soeben geschlossenen Bundes, oft unmittelbar nach dem Ringtausch. Diese Variante ist die emotionalere und die, die fotografisch besser funktioniert.

Wer die Kerze gemeinsam anzündet, sollte das vorher einmal geübt haben - mit Brautstrauß, Schleier, engem Ärmel und zitternden Händen ist ein Kerzendocht überraschend schwer zu treffen. Ein langes Streichholz oder ein Anzündstab an der Osterkerze macht den Unterschied zwischen einem stillen Moment und einer Minute Fummelei.

Motiv, Name, Datum

Üblich ist eine weiße oder cremefarbene Stumpenkerze, verziert mit aufgelegtem Wachs. Was daraufkommt, ist frei - drei Elemente kehren immer wieder:

  • Die Namen beider, meist nur die Vornamen.
  • Das Datum der Trauung.
  • Ein Symbol, das zum Paar passt: zwei Ringe, ein Kreuz, ein Lebensbaum, zwei ineinanderlaufende Bänder, Weinreben, Ähren.

Die Pfarre Katsdorf formuliert die Aufgabe treffend als Frage - welche Symbole passen zu uns und sollen daraufstehen. Das ist mehr Arbeit als eine Bestellung, aber es ist der Teil, der die Kerze in zwanzig Jahren noch interessant macht.

Praktisch: Eine Kerze mit großem Durchmesser brennt gleichmäßiger ab und hält Jahrzehnte, wenn sie nur zu Jahrestagen kurz angezündet wird. Bei dünnen Kerzen läuft das Wachs schnell über die Verzierung. Wer selbst gestaltet, kauft Rohling und Verzierwachs getrennt und rechnet mit einem ruhigen Abend Arbeit.

Wer sie besorgt und wer sie bezahlt

Traditionell ist die Hochzeitskerze ein Geschenk der Taufpatin oder des Taufpaten. Das ist der stimmigste Brauch, weil er die Linie von der Taufkerze weiterzieht, und für Patinnen und Paten oft eine willkommene Aufgabe - sie haben bei einer Hochzeit sonst keine Rolle.

Verbindlich ist das nicht, und in vielen Familien ist es längst anders: Häufig besorgt das Brautpaar die Kerze selbst, weil es Motiv und Schrift mitbestimmen will. Wenn ihr euch die Pate-Variante wünscht, sagt es früh und sagt dazu, was ihr euch vorstellt - sonst steht am Hochzeitstag eine Kerze da, die niemand ausgesucht hat.

Was danach mit ihr passiert

Anders als der Brautstrauß überlebt die Kerze den Tag. Was Paare damit machen, folgt keinem Brauch, sondern der Gewohnheit:

  • Zum Jahrestag anzünden - der häufigste Weg, und der Grund, warum die Kerze am Hochzeitstag meist nur kurz brennt.
  • Zur Taufe der Kinder mitnehmen, wo sie neben der Taufkerze steht.
  • Sichtbar aufstellen statt wegräumen. Eine Kerze im Schrank wird nie wieder angezündet.

Wer sie behalten will, löscht sie mit einem Kerzenlöscher statt sie auszublasen - das verhindert, dass Ruß über die Verzierung zieht. Eine Kleinigkeit, aber sie entscheidet, wie die Kerze in zehn Jahren aussieht.

Häufige Fragen

Ist die Hochzeitskerze bei einer katholischen Trauung Pflicht?
Nein. Die Diözese Innsbruck beschreibt den Ablauf des Traugottesdienstes von der Eröffnung bis zum Schlussgebet - die Traukerze kommt darin nicht vor. Sie ist kein vorgeschriebener Teil der Liturgie, sondern ein freiwilliges Symbol, das das Brautpaar mitbringt. Ob und wann sie angezündet wird, wird mit der Pfarre abgesprochen.
Wann wird die Hochzeitskerze angezündet?
Dafür gibt es keine kirchliche Vorschrift, und genau deshalb gehört die Frage ins Traugespräch. Gebräuchlich sind zwei Momente: nach der Predigt, vor der Befragung der Brautleute, oder nach der Vermählung als sichtbares Zeichen des soeben geschlossenen Bundes. Entzündet wird sie in der Regel an der Osterkerze.
Wer schenkt die Hochzeitskerze?
Traditionell die Taufpatin oder der Taufpate, was den Bogen zur Taufkerze schlägt. Verbindlich ist das nicht - vielerorts besorgt sie das Brautpaar selbst. Die Pfarre Katsdorf führt sie in ihrer Vorbereitungsliste schlicht neben den Ringen: Ringe und Traukerze besorgen und überlegen, welche Symbole zu euch passen.
Was kostet eine Hochzeitskerze?
Die Spanne ist groß und hängt fast nur an der Verzierung. Eine schlichte Stumpenkerze mit aufgelegtem Wachsmotiv liegt im unteren zweistelligen Bereich, aufwendig von Hand gestaltete Kerzen mit Namen, Datum und individuellem Motiv deutlich darüber. Wer selbst gestaltet, kauft Rohling und Verzierwachs getrennt.
Was macht man nach der Hochzeit mit der Kerze?
Die meisten Paare heben sie auf und zünden sie zu Jahrestagen an, manche auch zur Taufe ihrer Kinder. Weil sie dafür Jahrzehnte halten soll, wird sie am Hochzeitstag meist nur kurz gebrannt und danach gelöscht. Eine Regel gibt es dafür nicht.
Gibt es die Hochzeitskerze auch bei einer freien oder standesamtlichen Trauung?
Ja, und dort ist sie ohnehin frei gestaltbar, weil kein liturgischer Rahmen vorgegeben ist. Bei einer freien Trauung übernimmt sie oft die Rolle eines Rituals in der Mitte der Zeremonie. Im Standesamt hängt es vom Haus ab - offenes Feuer ist nicht in jedem Trauungssaal erlaubt, das klärt ihr vorher.